„Dat woar ne wunnebare Tiet“

Die Plattdeutsche Runde hat sich aufgelöst: Emil Witte, Brunhilde Conjaerts, Maria Nickel (von links) mit Gisela Schröder (hinten).                                                                                                                                        Foto: Agentur SHT
Die Plattdeutsche Runde hat sich aufgelöst: Emil Witte, Brunhilde Conjaerts, Maria Nickel (von links) mit Gisela Schröder (hinten). Foto: Agentur SHT
Foto: Jürgen Theobald

Herdecke.. „Dat woar ne wunnebare, schöine Tiet“. Mit diesem Resümee von Emil Witte endet kurz vor Weihnachten ein buntes und originelles Kapitel der Herdecker Kulturgeschichte. Die „Plattdeutsche Runde“ löst sich nach rund 30 Jahren auf.

„Unser Durchschnittsalter liegt über 80, und wir haben Nachwuchsprobleme“, erläutert der sprachgewandte Senior, auch bekannt aus dem Herdecker Stiftsplatztheater. Er hat die alte Ruhrtaler Mundart sozusagen mit der Muttermilch eingesogen und weiß noch viel über Lautbildung, Aussprache und Grammatik.

Gegründet wurde die Gruppe zu Beginn der 80er Jahre in der Gaststätte „Haus Kurzbach“ an der oberen Hauptstraße. Acht Herren mit ausgeprägter Liebe zur Brauchtumspflege beschlossen, nicht nur das heimische Kulturgut, sondern auch dessen Originalsprache zu pflegen: das Herdecker und das Ender Platt.

Schon kurze Zeit nach der Gründung traten auch die Ehefrauen der Runde bei. Die heutige Vorsitzende Brunhilde Conjaerts schmunzelt: „Plattdeutsch ist eine drastische, derbe Sprache. Und das Schöne daran ist, dass man seinem Liebsten auf Platt auch mal was Derbes an den Kopf werfen kann, und es hört sich trotzdem irgendwie nett an“.

Innerhalb weniger Jahre wuchs die Gruppe auf rund 40 Mitglieder an. Neue Heimat wurde die Begegnungsstätte Frühlingstraße. Gisela Schröder und Maria Nickel, beide seit den 80er Jahren dabei, erinnern sich gern: „Wir haben viel gemeinsam unternommen: Reisen, Weihnachts- und Karnevalsfeiern, Planwagenfahrten.

Auch Vorträge zu aktuellen kulturellen oder gesellschaftlichen Themen gab’s auf Platt. Und natürlich durfte bei all dem auch das „Herdecker Gedeck“ aus Schnaps, Bier und deftig belegten Brötchen nicht fehlen.

In der Runde wurde konsequent Platt gesprochen. Da sich aber das Ender Platt vom Herdecker Idiom hörbar unterschied, suchte man nach Kompromissen. Auf Anregung des Ender Pastors Friedrich Thürger wurde Plattdeutsch deshalb sogar in das Kursverzeichnis der Volkshochschule aufgenommen. Eine Plattdeutsche Grammatik entstand, und man einigte sich auf gemeinsame Ausspracheregeln. Thürger war es auch, der Predigten und ganze Gottesdienste in der Ursprache des Ruhrtales abhielt.

Aus der Runde sind über die Jahre viele schöne Freundschaften entstanden. Und wenn man sich in Zukunft nach der Kirche oder auf dem Markt begegnet, heißt es bestimmt wieder: „Küer’n biättken Platt met mi“.

 
 

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