„... damit wir klug werden“

In diesen Tagen ist in Stuttgart viel los, dort ist der 35. Deutsche Evangelische Kirchentag. Viele Jugendliche und Erwachsene aus unserer Gemeinde sind jetzt dort. Ein vielfältiges Angebot erwartet sie: Musik, Diskussionen, ganz verschiedene Gottesdienste, Theater, Ausstellungen, und vor allem eine ganz besondere Atmosphäre.


Das Motto lautet „… damit wir klug werden.“ Es ist das besondere an uns Menschen, dass wir enorm klug sind und immer mehr dazu lernen. Mir fällt das auf, wenn mir alte Menschen von ihrem Leben erzählen: wie anders der Alltag vor 70, 80 Jahren war. Die technischen Entwicklungen und wissenschaftlichen Entdeckungen sind ein großes Geschenk. Und wenn ich darüber nachdenke, wie die Welt wohl aussehen wird, wenn die Jugendlichen, die ich im Mai konfirmiert habe, so alt sind wie ich – wahrscheinlich ist sie ganz anders.
„Klug werden“ heißt für mich auch: in unserer Gesellschaft und Politik die Lebensmöglichkeiten der noch nicht Geborenen im Blick zu haben.


„Klug werden“ im biblischen Sinn ist nicht nur Lernen und Wissen weiterentwickeln.


Klug werden sucht Antworten auf die Frage: Wie können wir gut mit unseren scheinbar unendlichen Möglichkeiten umgehen? Wie will ich leben? Wie wollen wir leben in unserer Welt – mit Mauern, sichtbaren oder unsichtbaren, die die einen von den anderen trennen?


Klug werden heißt, zu lernen mit Angst und Trauer umzugehen, zu entdecken, was im Leben Halt gibt, wo die Aufgaben sind, die meinem Leben Freude und Sinn geben.


Im Psalm 90 stehen noch ein paar Worte vor dem Motto: „Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, damit wir klug werden.“ (V12) Wenn ich wüsste, dass ich in drei Monaten oder drei Jahren sterben würde, dann würde ich … An dieser Frage wird deutlich, was einem wirklich wichtig ist im Leben. Aber warum nicht schon heute so leben?


Wir müssen nicht schon alles wissen und schon klug „sein“. Wir können klug „werden“: uns verändern, Dinge verändern, loben und protestieren, neu anfangen. Es gibt so viele Möglichkeiten. Mir tut der Gedanke gut. Wie ist das für Sie?


Ich bin gespannt, mit welchen Eindrücken die KirchentagsbesucherInnen zurückkommen!

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