Bürger werfen ihr Geld in den Restmüll

Biomüll in der Restmülltonne:  Das ist richtig teuer, weiß Elisabeth Henne von EN-Kreis.
Biomüll in der Restmülltonne: Das ist richtig teuer, weiß Elisabeth Henne von EN-Kreis.
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Die Müllabfuhr wird teurer. Für eine 80-Liter-Tonne Biomüll müssen die Wetteraner sogar eine zweistellige Gebührensteigerung verkraften. Und das, obwohl bei der neuen Biogasanlage in Witten alles im grünen Bereich ist? Betriebswirtin Elisabeth Henne vom EN-Kreis erklärt, warum.

Wetter/Herdecke..  Die Müllabfuhr wird teurer. Für eine kleine Restmülltonne (60 Liter) müssen Bürger in Wetter statt 137,54 Euro in diesem Jahr 144,30 Euro berappen. Die kleine Biotonne (60 Liter) kostet statt 47,52 Euro in diesem Jahr 55,20 Uhr; bei einer 80-Liter-Tonne ist die Gebührensteigerung schon zweistellig: von 63,36 Euro im letzten Jahr klettert sie um 10,20 Euro auf 73,56 Euro. Und das, obwohl bei der neuen Biogasanlage in Witten alles im grünen Bereich ist und - laut Betreiber AHE - die wirtschaftlichen Ziele erreicht wurden, wie unsere Zeitung erst letzte Woche berichtete. Für manche Bürger ist das nicht nachvollziehbar.

Biogasanlage macht keine Gewinne

Betriebswirtin Elisabeth Henne, beim Ennepe-Ruhr-Kreis unter anderem zuständig für die Müllgebühren, kann den vermeintlichen Widerspruch klären: „Alle Welt glaubt, dass die Biogasanlage aus Biomüll Energie erzeugt und damit Gewinne macht. Das ist nicht so.“ Auch bei der Biogasanlage in Witten handele es sich um eine Müllverbrennungsanlage, die allerdings unseren Biomüll umweltfreundlich und sinnvoll vergäre und dabei auch noch ein bisschen Strom erzeuge. „Aber Gewinne kann man damit nicht erzielen“, so Elisabeth Henne.

Dass die (Bio)Müllgebühren aktuell steigen, hätten sich die Bürger selbst zuzuschreiben, so die Expertin. Und erklärt: Grundsätzlich seien die Kosten des Kreises für die Müllentsorgung immer deutlich höher, als durch die Gebühren von den Städten wieder hereinkämen. Dieses „Müllsponsoring“ des Kreises sei durchaus beabsichtigt; „denn wir wollen, dass die Städte möglichst wenig an den Kreis zahlen, um für die Leute einen Anreiz zu schaffen. Aber viele Bürger nutzen die Möglichkeiten zur Mülltrennung und damit zum Sparen nicht.“

Beispiel Altpapier: Im Jahr 2012 konnte der Kreis noch 19 200 Tonnen Altpapier gegen Geld vermarkten und mit diesem Geld die Müllgebühren „sponsern“. Im letzten Jahr aber kamen im Kreis nur 18 500 Tonnen Altpapier zum Verkauf zusammen. Weniger Altpapier = weniger Geld aus der Vermarktung = weniger Geld fürs Sponsoring = höhere Gebühren.

„Eigentlich irrational“

Aber warum sank die Altpapiermenge derart auffällig? „Ich habe den Verdacht, dass die Leute für ihren Müll - und auch fürs Altpapier - immer den Topf benutzen, in dem gerade noch Platz ist“, sagt Elisabeth Henne. Und das sei oft die Restmülltonne. Restmüll aber sei nun mal der teuerste. „Für alles, was im Restmüllbehälter landet, zahlt die Stadt 190 Euro pro Tonne Gebühren an den Kreis“, so die Expertin. Und dann listet sie die Kosten der Entsorgung auf: „Ein Kilo Restmüll kostet 19 Cent, ein Kilo Biomüll 9 Cent, ein Kilo Altpapier bringt 1 Cent Erlös. Gelbe Säcken kosten die Stadt nichts.“

Ein Kilo Restmüll komme schnell zusammen, rechnet Elisabeth Henne vor. Bananenschalen, Kaffeesatz, verwelkte Blumen oder Topfpflanzen, die statt in der Biotonne im Restmüll landen, kosten dann statt 9 gleich 19 Cent. „Offenbar haben aber viele Bürger kein Problem damit, ihr Geld in die Restmülltonne zu schmeißen“, so Elisabeth Henne; denn jeder Bürger im EN-Kreis wirft im Jahr etwa 35 Kilo Biomüll in die Restmülltonne. „Eigentlich irrational“, meint sie, „wenn man bedenkt, dass dieselben Leute oft Kilometer weit fahren, um 20 Cent etwa beim Fleischkauf zu sparen.“

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