Bürger schnuppern Baustellenluft

Herdecke.  Rudolf Kräling strahlt. Das tut er meistens. An diesem Tag aber ganz besonders. Das „Quartier Ruhraue“ feiert Richtfest - und damit das bislang größte Projekt in der Geschichte der Firma. 36 Millionen Euro investiert das Familienunternehmen aus Dortmund an der Ruhr in Herdecke. Sagt Bürgermeisterin Katja Strauss-Köster. Und strahlt nicht minder.

Dabei haben die Beiden so manchen Strauß ausgefochten, war immer mal wieder zu hören und war auch in den kurzen Reden vom Podest vor dem „Torhaus“ Thema. Von „hitzigen Diskussionen“ spricht Katja Strauss-Köster. Mit den Bürgern. Mit der Bürgerinitiative, die sich gegen diese Art der Bebauung auf dem ehemaligen Firmenarreal von Westfalia ausgesprochen hatte. Aber eben auch mit dem Investor. „Er hat sein Lachen dennoch nicht verloren“, sagt die Bürgermeisterin - was Rudolf Kräling gerade mal wieder beweist.

Jetzt stehen die Beiden auf einem provisorischen Podest und blicken auf die Fläche, die von den Gebäuden in U-Form umrahmt wird und später einmal Parkplatz sein wird. Egal, wie viele Autos an hoch frequentierten Tagen hier von ihren Besitzern abgestellt werden - gestern waren mehr Menschen der Einladung zum Richtfest gefolgt als Wagen auf den Parkplatz passen.

„Endlich passiert was“

Bewusst waren nicht nur Politiker, Geschäftspartner bei dem Bauprojekt und Geschäftsleute aus der angrenzenden Innenstadt eingeladen worden. Auch die Bürger sollten sich ein Bild vom Baufortschritt machen können. Und so zeigt sich Frieda Vogt überwältigt. Sie hat extra die Schicht getauscht, um Baustellenluft zu schnuppern. „Ich hätte nie gedacht, dass das hier so groß wird“, freut sich die Bäckereiverkäuferin, „dass endlich was passiert“ in ihrer Stadt. Froh zeigt sich auch das Ehepaar Wiese. Nicht zum ersten Mal nimmt es den Baustelle genau unter die Lupe. In einem der beiden Gebäude parallel zur Ruhr entsteht gerade ihre künftige Wohnung. Das Haus in Witten ist den Beiden zu groß geworden. „Wir setzen uns kleiner“, sagt Christine Wiese.

Vom Podest aus nimmt Rudolf Kräling seine Zuhörer mit auf eine kleine Reise, wenn auch nur für die Blicke. Die Reise beginnt vor „Torhaus“, vor dem er jetzt steht. Hier soll das „Gesundheitswerk Ruhr“ einziehen. Die Reise führt auch zum „Clubhaus“, in das das „Café Extrablatt“ einziehen soll.

Auch am „Ruhrdampfer“ macht Kräling gedanklich halt. So langsam zeichnet sich ab, warum das vierstöckige Gebäude mit einer scheinbar spitzen und einer scheinbar stumpfen Ecke so heißt. Zu 95 Prozent sei das „Quartier Ruhraue“ aktuell ausgebucht, sagt Rudolf Kräling - während sich auf dem Staub des Parkplatzes andere schon über die Zukunft der restlichen Westfalia-Fläche Gedanken machen. Hier soll Wohnraum geschaffen werden - wenn jemand investiert.

Der Gemeinnützige Verein für Sozialeinrichtungen (GVS) kennt sein Investionsvolumen bereits. Er lässt an der Ecke zur Ruhr hin ein neues Altenzentrum errichten. Baustart soll Mitte September sein.

 
 

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