Begeisterung für einen ganz bedeutenden Mann

Auf der ersten Seite einer alten Ausgabe der Jobsiade: Der Wetteraner Jürgen Uebelgünn ist begeistert von Leben und Werk des Bergarztes Carl Arnold Kortum, der in Wetter wirkte, und universal gelehrt war.
Auf der ersten Seite einer alten Ausgabe der Jobsiade: Der Wetteraner Jürgen Uebelgünn ist begeistert von Leben und Werk des Bergarztes Carl Arnold Kortum, der in Wetter wirkte, und universal gelehrt war.
Foto: WP
Carl Arnold Kortum war vor gut 200 Jahren Bergarzt in Wetter. Er hat aber auch als Dichter Jürgen Uebelgünn schon früh fasziniert.

Wetter..  Gut. Nicht in jeder Stadt muss eine Straße nach jedem großen Mann benannt werden. Schließlich gibt es in Wetter keinen Wilhelm-Busch-Weg und auch keine Freiherr-Vom-Stein-Straße. Warum also sollte ausgerechnet Carl Arnold Kortum hier auf einem Straßenschild stehen? Jürgen Uebelgünn wüsste da eine Antwort. Und in der haben gleich alle drei Herren mit den großen Namen etwas miteinander zu tun, der Reimeschinder Busch, der Reformer vom Stein und der Bergarzt Kortum. Nicht unwichtig dabei: die Stadt Wetter.

Jürgen Uebelgünn war zehn, als er das große Wilhelm-Busch-Album kaum aus der Hand legen wollte. Darin enthalten eine illustrierte Geschichte über Leben und Taten des Kandidaten Hieronymus Jobs. Das Heldengedicht war eine scharfe Satire auf die Akademiker der Zeit, und Wilhelm-Busch hatte nur aufgegriffen, was knapp hundert Jahre vorher anonym den Buchmarkt erobert hatte. Erst 1854 war der Autor der Jobsiade aufgedeckt worden - Carl Arnold Kortum, geboren in Mülheim, universal Gelehrter aus Bochum und im Nebenamt Bergarzt in Wetter.

Zwei Kinder der Region

Von diesen Zusammenhängen ahnte Jürgen Uebelgünn noch nichts, als er, in Herbede aufwachsend, die Geschichten von Wilhelm Busch vorwärts und rückwärts las. Aber die Jobsiade mit ihrem markanten Spruch „Über diese Antwort des Kandidaten Jobses geschah allgemeines Schütteln des Kopfes“ ließ Uebelgünn sein Leben lang nicht los. Als er im Schrank seines Onkel einen Nachdruck der Erstausgabe fand, war Jürgen Uebelgünn „albern vor Glück“. Erstaunt und vielleicht auch ein wenig stolz war Uebelgünn dann wenige Jahre später, als ihm aufging, dass Kortum und er Kinder der gleichen Region waren.

Jetzt kommt der Freiherr vom und zum Stein ins Spiel. Er bestellte 1792 als Direktor des Oberbergamtes in Wetter zwei neue Bergärzte. Einer davon war Dr. Carl Arnold Kortum aus Bochum. „Einmal im Vierteljahr kam Kortum von Bochum aus nach Wetter rübergeritten und sah nach dem Rechten“, hat Jürgen Uebelgünn erkundet.

Kortums Job als Bergarzt war mehr ein Aufsichtsamt. Für die ärztliche Arbeit vor Ort waren die Berg-Chirurgen zuständig, nicht akademisch ausgebildete Heilkundige, die eine dreijährige Lehre absolviert hatten.

Kortum hat viele Interessen, neben seiner Praxis und dem Bergarzt-Amt, aber auch in der Zeit danach. Er schreibt eine „Anweisung, wie man sich vor ansteckenden Krankheiten verwahren kann“, veröffentlicht ein Buch über den „Kaffee und seine Stellvertreter“, macht Ausgrabungen, begibt sich ans Dechiffrieren – und bleibt doch zeitlebens als Autor der Jobsiade zumindest offiziell unerkannt.

Anträge sind ins Leere gelaufen

Im Heimatverein Wetter hat Jürgen Uebelgünn den Mann mit den vielen Bezügen zu Wetters Geschichte jetzt vorgestellt. Womit Jürgen Uebelgünn nicht dienen konnte: einer Straße oder einem Platz in Wetter, der an Carl Arnold Kortum erinnert. Obwohl Uebelgünn, seit vielen Jahren Wetteraner und für die Grünen im Rat aktiv, einiges dafür unternommen hat. Immer wenn ein neues Baugebiet in der Stadt ausgewiesen wurde, sah Uebelgünn seine Chance gekommen. Und immer wieder liefen seine Anträge ins Leere. „Unter vier Bürgermeistern habe ich das versucht“, sagt der heute 72-Jährige. Es waren alles Bürgermeister einer anderen Partei.

Viel Zeit hat Uebelgünn dabei verloren. Und die Zeit hat nicht für ihn gearbeitet, muss der Politiker erkennen. Heute sind erst einmal die Frauen dran, wenn es um den Nachholbedarf auf den Straßenschildern nicht nur in Wetter geht. Und wie wäre es da mit Frau Kortum? Nein, dieser Vorschlag ist Jürgen Uebelgünn höchstens ein Schmunzeln wert. „Das wäre doch etwas gequält“, hält er schon an einer Benennung nach dem Multitalent aus Mülheim fest.

Die Bochumer haben Carl Arnold Kortum diese Ehre schon viel früher gewesen. Natürlich ist die Industriestadt auch größer als das Industriestädtchen Wetter an der Ruhr und braucht daher auch mehr Namen für ihre Straßen. Aber eine Kortumstraße gibt es dort schon lange, was Kortum später dann auch noch zum Namensgeber für das an der Geschäftsachse gelegene Kaufhaus gemacht hat.

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