Angst vor einer Burg an der Ruhr

Das geplante Quartier Ruhraue im Modell, rechts der frühere Hertie-Komplex.
Das geplante Quartier Ruhraue im Modell, rechts der frühere Hertie-Komplex.
Foto: WR

Herdecke. Das geplante „Quartier Ruhraue“ schafft nicht ausreichend neue Arbeitsplätze. Es bindet nicht genügend Kaufkraft in Herdecke. Und es trägt nicht zur Rettung der Innenstadt bei. Das sind nur drei der Vorwürfe der Aktion Westfalia gegen das geplante Einkaufszentrum auf dem früheren Firmengelände.

Im Sommer, nachdem Investor Rudolf Kräling seine Pläne vorgestellt hatte, wurde die Initiative gegründet. Seitdem sucht sie neue Mitstreiter. 50 waren es vor wenigen Tagen bei einem Treffen im Onikon. Eine beachtliche Zahl, findet Frank Boberg. Er wohnt in der Innenstadt, ist von Beruf Stadtplaner und Immobilienökonom, und für ihn ist klar: Die Pläne von Kräling seien „immer noch zu groß für Herdecke“. Selbst wenn frühere Planungen noch größere Einzelhandelsflächen vorgesehen haben sollten.

Seit ein paar Tagen finden sich ausführlich auch verworfene Planungen aus den letzten Jahren auf den Internet-Seiten der Stadt Herdecke. „Uns waren diese Dimensionen vorher nicht bekannt“, erklärt Willi Creutzenberg, warum sich nicht schon früher Widerstand gegen gewaltigere Pläne geregt hat. Nun fürchtet Manuela Stolz, die unweit der Westfaliafläche wohnt, eine regelrechte „Festung“. Und Frank Boberg spricht angesichts der klaren Außenkante, die das geplante Gebäudeensemble zur Ruhr hin zeigt, von einer „Burgwirkung“.

„Kein Handlungsdruck“

Das vom Investor so genannte Quartier Ruhraue ist der Aktion Westfalia nicht nur zu groß geraten. Es liege auch wie ein Riegel zwischen Fluss und Altstadt, so der Vorwurf. Und ob die bisher genannten Mietinteressenten wirklich in der Lage sind, Kaufkraft in Herdecke zu binden, stellt Manuela Stolz in Frage. Selbst wenn ein Elektrofachmarkt käme - viele Artikel müssten weiter außerhalb von Herdecke gekauft werden. Eine Belebung des Einzelhandels im gewachsenen Geschäftsviertel der Stadt sieht sie nicht.

Frank Boberg möchte erst einmal sehen, wie das Mühlencenter im früheren Hertie bei den Kunden ankommt. Im nächsten Frühjahr sollen hier ein Lebensmittelmarkt, ein Discounter und ein Drogerie-Markt aufmachen. Aus seiner Sicht gibt es auch keinen Handlungsdruck. „Man kann mit Grundstückseignern eigentlich immer über vernünftigere Ideen reden.“ Und für die Umgestaltung früherer Industrieflächen gebe es sogar Förderprogramme vom Land.

Das Westfalia-Gelände ist in privatem Besitz. Die Stadt hat nur begrenzte Einflussmöglichkeiten. Dieser Spielraum soll genutzt werden, sagt die Ratsmehrheit von CDU, Grüne und FDP, stellt das gesamte Projekt aber nicht in Frage. Das will die Aktion Westfalia ändern. Bei der FDP war sie bereits zu Gast. Und auch für die übrigen Fraktionen seien schon Termine gemacht.

 
 

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