Angst vor Amprion-Höchstspannungsleitung am Semberg

Gisela Heuer macht gemeinsam mit der Bürgerinitiative Semberg mobil, um die Höchstspannungsleitungen von Amprion zu verhindern.
Gisela Heuer macht gemeinsam mit der Bürgerinitiative Semberg mobil, um die Höchstspannungsleitungen von Amprion zu verhindern.
Foto: WP
Eine Anwohnerin hätte sich mit Blick auf die Höchstspannungsleitungen von Amprion mehr Informationen von der Stadt Herdecke gewünscht.

Herdecke..  In den großen Ferien hat sie das erste Mal wahrgenommen, was da vor ihrer Haustür möglicherweise bald passiert. Die Vorstellung von Höchstspannungsleitungen am Semberg – mehr als doppelt so hoch wie die jetzigen Hochspannungsmasten – war für sie „ein Schock“. Seitdem ist Gisela Heuer mit ihrem Mann „nur noch am rennen“: Von Tür zu Tür gehen sie und verteilen Material der Bürgerinitiative Semberg zu dem Plan von Amprion.

Die neuen Leitungen mit ihrer stärkeren Spannung – „Was macht das mit uns?“, fragt Gisela Heuer und fürchtet das Schlimmste. Wenn sie schwanger wäre, dann wäre sie schon längst weggezogen, sagt sie. Aber auch als Grundeigentümerin möchte sie reißaus nehmen: Die Aufstockung der Masten entwerte massiv die Häuser in einem Korridor an beiden Seiten der Trasse. „Es geht um unsere Grundrechte“, empört sich die Anwohnerin und ist umso erstaunter, wie viele Menschen in unmittelbarer Nachbarschaft der Leitungstrasse noch gar nicht mitbekommen hätten, was ihnen für Gefahren drohen würden.

Mehr als die Hälfte der Anwohner sei nicht informiert, überschlägt sie die Gespräche, die sie und ihr Mann geführt haben – und knüpft an diese Feststellung einen Vorwurf an die Stadt Herdecke und die Bürgermeisterin: „Die Stadt hätte informieren müssen“, sagt sie, „mit persönlichen Anschreiben an die Bürger“. Die Stadt hat informiert, auf vielfältige Weise, heißt es auf Nachfrage bei der Pressestelle der Stadt. Wurfsendungen für die betroffenen Bürger habe es allerdings nicht gegeben.„Wir haben alles Notwendige im Rahmen der Pressearbeit getan“, sagt Dennis Osberg von der Stadt Herdecke und verweist darauf, dass das offizielle Verfahren Sache der Bezirksregierung sei. Dennoch habe es öffentliche Bekanntmachungen der Stadt gegeben, Mitteilung für die Presse und auch Hinweise auf den Internetseiten der Stadt. Über Anzeigenblätter seien diese Infos auch an alle Haushalte gegangen. Und es habe sogar Briefe für die betroffenen Eigentümer gegeben – allerdings nur, wenn sie außerhalb von Herdecke wohnen.

Widerstand kommt sehr spät

Der Appell der Bürgermeisterin, jetzt die Möglichkeit für Widersprüche zu den Amprion-Plänen zu nutzen, kommt aus Sicht von Gisela Heuer deutlich zu spät. Bald schon läuft die Eingabefrist ab. Die Ratsmehrheit habe die Pläne vielleicht abgelehnt, aber auch viel zu lange still gehalten. Und auch von der Bürgermeisterin hätte sie ein früheres Signal erwartet. „Dann hätte man mehr gemeinsam machen können“.

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