1000 Einwendungen gegen Amprion-Stromtrasse

Der Netzbetreiber Amprion plant für eine neue 380-kv-Stromtrasse auch neue Masten in Herdecke, die alte wie hier in der Erdbrügge teilweise ersetzen können
Der Netzbetreiber Amprion plant für eine neue 380-kv-Stromtrasse auch neue Masten in Herdecke, die alte wie hier in der Erdbrügge teilweise ersetzen können
Foto: Steffen Gerber
  • Bis 2022 will Amprion eine 113 Kilometer lange Stromtrasse bauen
  • Sie verläuft auch über Herdecker Stadtgebiet
  • Fast 1000 Einwendungen aus Herdecke beantwortet der Netzbetreiber jetzt

Herdecke/Dortmund..  Wenn über einen längeren Zeitraum keine Mitteilungen über Personen oder Sachverhalte auftauchen, folgt schon mal die Frage: Was macht eigentlich . . .? Da – wie berichtet – nun im November oder Dezember der entscheidende Erörterungstermin zum geplanten Stromtrassenbau auch durch Herdecke ansteht, gilt es zu fragen: Was macht eigentlich Amprion? Claas Hammes als zuständiger Sprecher des Netzbetreibers mit Sitz in Dortmund erklärt, wie das Unternehmen vor allem die fast 1000 Einwendungen aus der Ruhrstadt zur 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung abarbeitet.

Das ist wörtlich zu nehmen, berichtet Hammes: „Die Fragen haben ein sehr breites Spektrum und reichen von Umweltschutz über Wohnumfeld, technischen Details der Bauausführung bis zu elektromagnetischen Feldern an bestimmten Standorten. Bis zum Erörterungs-Termin liegen die Antworten vor.“ Ein Großteil der Einwendungen sei bereits bearbeitet, wobei es fachübergreifend Abstimmungen geben müsse. Juristen von Amprion müssen sich konzernintern beispielsweise mit Umweltplanern oder Genehmigungs-Experten austauschen, auch externe Fachleute wie Landschaftsplaner mischen mit. Die Antworten gehen dann an die Bezirksregierung Arnsberg als Aufsichtsbehörde, die das Vorhaben schlussendlich genehmigt oder ablehnt. Die Themen im Einzelnen:

Das Verfahren

Bis 2022 will Amprion die knapp 113 Kilometer lange Stromtrasse von Dortmund-Kruckel bis ins rheinland-pfälzische Dauersberg bauen, und zwar weitestgehend im Raum der bestehenden 220- und 110-kV-Freileitungen, um die Auswirkungen laut Hammes möglichst gering zu halten. Das trifft auch auf den rund zehn Kilometer langen Abschnitt durch Herdecke bis Hagen-Garenfeld – im weiteren Verlauf ist der Trassenraum weniger besiedelt – zu. „Hier ist das Verfahren am weitesten fortgeschritten“, so Hammes. Festzustellen sei, dass sich die Bürger heutzutage umfassend über die Projekte auch via Internet informieren. Der Anspruch an Information und Teilhabe ist damit deutlich gewachsen. „Darauf müssen wir eingehen“, sagt Hammes. Jeder bekommt eine Antwort.“ Alle Antworten werden am Ende in einer Synopse zusammengefasst. Die Diese geht an die Bezirksregierung.

Der Trassenraum

Je näher die Wohnbebauung an einer Stromtrasse liegt, desto mehr Einwendungen gebe es naturgemäß. Viele Bürger beziehen sich dabei auch auf den neu aufgestellten, aber noch nicht verabschiedeten Landesentwicklungsplan von Nordrhein-Westfalen. Ein mitunter komplizierter Gesetzestext, der je nach Bundesland unterschiedlich ausfällt. „Das führt leider auch schon mal zu Fehlinterpretationen, die wir in unseren Stellungnahmen ausräumen wollen. Es gibt beispielsweise bei den Abständen einen Interpretationsspielraum“, so Hammes. Normalerweise gelten 400 Meter Distanz zu Siedlungen und 200 Meter zu einzelnen Wohngebäuden im Außenbereich, Ausnahmen sind möglich. Amprion hat auch überörtliche Gesichtspunkte zu berücksichtigen und muss Nutzungsformen abwägen. Im laufenden Planfeststellungsverfahren muss das detailliert aufgeschlüsselt sein. Grundsätzlich, das ist bekannt, orientiert sich der Leitungsbau zunächst an bestehenden Trassen. „Verlagerungen würden anderswo neue Konflikte schaffen“, so Hammes.

Die Alternative

Im vorigen Raumordnungsverfahren prüfte Amprion auch einen Leitungsverlauf westlich der A1 und südlich der A45. Dort befindet sich aber ein von Stromleitungen unbelasteter Raum, wurde diese, von der Stadt Herdecke befürwortete Variante, nicht weiterverfolgt. Der Netzbetreiber sieht sich aber erneut in der Verantwortung zur Überprüfung, ob dies nicht doch die Vorzugstrasse werden könnte und will seine Entscheidung genauer erklären. Hammes: „ Aufgrund der zahlreichen Einwendungen prüfen wir derzeit noch einmal die Variante A45/A1. Die Prüfung ist noch nicht abgeschlossen. Wir sind nach wie vor der Überzeugung, dass wir die unter Berücksichtigung aller Kriterien bestmögliche Variante eingereicht haben. Das Ergebnis der Variantenprüfung A 45/A1 wird im Erörterungstermin vorgestellt. Nach dem Erörterungstermin beurteilt die Bezirksregierung die Variantenprüfung.“

Die Masten

Auf dem ca. zehn Kilometer langen Abschnitt auch über Herdecker Gebiet plant Amprion mit 40 neuen Masten, die zwischen 50 und 87 Meter hoch sind. Dabei geht es mitunter auch um Zusammenlegungen von bestehenden Leitungen der AVU, der Deutschen Bahn, RWE und von Amprion selbst. An manchen Stellen, etwa am Gewerbegebiet Loerfeld, können zwei Masten durch einen ersetzt werden. Aktuell im Internet und auf den Infomärkten konnten Besucher sehen, wo genau was platziert werden soll, wobei es in diesem Jahr „kleine Anpassungen gab“, so Hammes.

Die Grundstücksfragen

Das Leitungsrecht für die Grundstücke wird ins Grundbuch eingetragen. Einzelne Verhandlungen führt nicht Amprion, sondern in enger Abstimmung die beauftragte Gesellschaft für Geodatenservice IMP als langjähriger Partner des Netzbetreibers.

Dabei verhandeln die Vertreter mit Eigentümern um Entschädigungsbeträge, die sich u.a. an der Quadratmeterzahl des Grundstücks orientiert. Vertragspartner ist jedoch letztlich Amprion. „Die Verhandlungen sind im Zeitplan. Aus datenschutzrechtlichen Gründen und um den Verhandlungsprozess nicht zu beeinflussen, möchten wir uns nicht zu dem genauen Stand der Verhandlungsgespräche äußern“, sagt Hammes. Er geht davon aus, dass die Gespräche über 2016 hinaus gehen werden.

Die Bürgerinitiative

Im Mai und im Juni fanden Informationsgespräche mit der Bürgerinitiative Semberg statt. Dabei habe Amprion die Planungen für die Bauausführung an verschiedenen Maststandorten vorgestellt sowie über das Thema elektrische und magnetische Felder (Hammes: „Wir halten die Grenzwerte deutlich ein.“) informiert. „Wir sind zudem ja auch etwa mit Trägern öffentlicher Belange im Gespräch, um unser Vorgehen transparent zu machen. Die verschiedenen Zwischenschritte und Kommunikationsanfragen benötigen ihre Zeit“, so der Amprion-Sprecher. Zum jetzigen Zeitpunkt im Verfahren sei der direkte Austausch mit den Einwendern nicht vorgesehen. Das finde dann wieder im Erörterungstermin statt.

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