Zweifel an der Machbarkeit

Petra Herzog
Alt und schön anzusehen ist die Eisenbahnbrücke in Griethausen. Jetzt gibt es Überlegungen, diesen Verkehrsweg neu zu beleben. Hier könnte laut einer Studie die Betuwe auf die linke Rheinseite gelenkt werden. Foto: Thorsten Lindekamp / WAZ FotoPool
Alt und schön anzusehen ist die Eisenbahnbrücke in Griethausen. Jetzt gibt es Überlegungen, diesen Verkehrsweg neu zu beleben. Hier könnte laut einer Studie die Betuwe auf die linke Rheinseite gelenkt werden. Foto: Thorsten Lindekamp / WAZ FotoPool
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Wesel. Mitten in die Sommerpause platzte die Nachricht von einer Studie des Umweltbundesamts, die sich mit dem „Schienennetz 2025-2030“ befasst (siehe Berichte im überregionalen Teil). Die darin vorgeschlagene Alternative, den Güterverkehr der Betuwelinie nicht rechts-, sondern linksrheinisch weiterzuführen, sorgte gestern bei vielen, die sich seit Jahren mit dem Thema befassen, für Erstaunen. Die meisten wollten sich nicht äußern, bevor sie nicht selbst etwas aus dem Bericht gelesen haben. Außerdem sind einige der Beteiligten zurzeit im Urlaub, so wie der Vorsitzende der gemeindeübergreifenden Arbeitsgruppe, Hamminkelns Bürgermeister Holger Schlierf.

Horst Münnich vom Vorstand der Bürgerinitiative Betuwe - so nicht! aus Wesel musste zunächst lachen, als er von der Grundaussage der Studie erfuhr. Seine erste vage Äußerung dazu: „Prinzipiell würden wir das natürlich befürworten.“ Allerdings sei der Einfluss einer solchen Untersuchung fraglich. Münnich arbeitet deshalb lieber weiter an der Vorbereitung für den ersten internationalen Bahnlärm-Kongress, der am 13. und 14. November in Boppard stattfindet und von der Bundesvereinigung gegen Schienenlärm in Hannover organisiert wird.

In der Tourismushochburg am Rhein soll laut Münnich nachgewiesen werden, dass Bahnlärm krank macht. Diverse Professoren wollen das Thema in knapp drei Monaten beleuchten, möglichst im Beisein von Politikern unterschiedlicher Ebenen, damit die Ergebnisse auch entsprechend berücksichtigt werden könnten. Dies könnte dazu führen, dass Bahnlärm mit Lkw-Verkehrslärm und Fluglärm gleichgesetzt werde und dass innerhalb der Städte nicht mehr gefahren werden dürfe, so Münnich.

Hanspeter Zabel, Mitglied in beiden Bürgerinitiativen (Betuwe - So nicht! und Interessengemeinschaft Betuwe-Initiative Sicherheit Siedlungsfern, kurz IG Biss), wertet die im Internet nachzulesende Studie durchaus positiv, Sie komme aber zu spät. Außerdem werde der Lärm so nur verlagert. Vielmehr müsse die vorhandene Strecke nach dem neuesten Stand der Technik ausgebaut werden. Darüber hinaus sei es wichtig, sich endlich auch Gedanken über 2025 hinaus zu machen.

„Betuwe 3“ - dieses Stichwort hat Wesels Bürgermeisterin Ulrike Westkamp schon einmal gehört. Von einer Studie des Umweltbundesamts weiß sie allerdings bislang so gut wie nichts. Es sei schon erstaunlich, dass man nach den ganzen Jahren plötzlich zu solchen Schlüssen komme. Außerdem bezögen sich die Überlegungen ja auf die Jahre 2025 bis 2030. Es sei zwar immer gut, weiterzudenken, allerdings könne man in Wesel nicht noch 15 Jahre warten. Schließlich laufe die Betuwe bereits an einer Strecke, wo allein in Wesel Tausende von Menschen wohnten. Sie müssten jetzt geschützt werden und deshalb verlange die Stadt nach wie vor bestmöglichen Lärmschutz für die Anlieger.