Zwei neue Exponate für das Humberghaus

Christel Eickholt mit dem historischen Krug, der ihrer Mutter gehörte.
Christel Eickholt mit dem historischen Krug, der ihrer Mutter gehörte.
Foto: WAZ FotoPool / Gerd Hermann
Der Heimatverein Dingden freut sich über ein Uhrwerk und einen Krug. Beide stammen aus dem Jahr 1900 und tragen die Geschichte von Opfern und Alltagshelden der NS-Zeit in Brünen und Dingden in sich.

Hamminkeln..  In Museen wird die Vergangenheit bewahrt. Sie stecken voller Geschichten. So auch das Humberghaus, wo sich der Heimatverein Dingden jetzt über zwei neue Ausstellungsstücke freut. Gleich zwei Stifterfamilien übergaben den rührigen Betreibern Exponate für ihre Sammlung. Anton und Klaus van Stegen brachten ein Uhrwerk mit, Christel Eickholt einen historischen Krug. Beide sind von 1900. Den Besuchern erzählen sie von Opfern und Alltagshelden der Nazi-Zeit:

Es ist 1938, der 9. November, Reichspogromnacht. Ernst Humberg lebt in Brünen. Er ist Jude, er ist Viehhändler, vermutlich ist er nicht beliebt. „Ernst, komm raus“, brüllen die Leute vor seiner Tür. Humberg kann fliehen. Sein Haus jedoch wird in jener Nacht zerstört. Ernst Humberg gelangt bis Duisburg, später flüchtet er über die niederländische Grenze. Seine Frau Hilde ist hochschwanger. Sie bleibt in Brünen zurück. Nach den Übergriffen bittet sie die Schreinerei Klein-Wiele um Hilfe. Sie will alle Sachen aus dem Haus holen, die noch brauchbar sind. Ein heikles Unterfangen. Gemeinsam fährt man mit dem Pferdekarren vor, packt das, was übrig ist, in Kisten. Unter anderem eine französische Kaminuhr anno 1900. Im selben Jahr reist Hilde Humberg nach Holland aus. 1939 emigriert sie mit ihrem Ernst nach Kanada. Ihr Hab und Gut lässt sie bei der Schreinerei zurück. Dort arbeitet Johann van Stegen. Seine Familie bewahrt die Uhr wie einen Schatz. Bis heute. Inzwischen ist sie repariert, berichtet Ulrich Bauhaus vom Heimatverein. „Sie ist lebendig und hat einen wunderschönen hellen Klang.“

Der historische Krug gehört Ernst Humbergs Bruder, Leopold Humberg. Später schreibt er als letzter jüdischer Bewohner Dingdens Geschichte. Dort, wo sein Haus stand, befindet sich heute das Museum. Am 14. Juli 1941 wird Leopold Humberg von den Nazis aufgefordert, seine Wohnung bis zum nächsten Tag, Punkt 12 Uhr, zu verlassen. Er soll zu seiner Schwester nach Velen ziehen. Eine Nachbarin bekommt das mit. Adelheid Bußkönning ist Haushaltshilfe. Sie geht rüber zum Krämerladen Kruse. Dort erhält sie einen Rucksack, den sie Leo Humberg bringt. So kann er seine Sachen packen. Frau Bußkönning hat sicher Angst gehabt. Es war zu dieser Zeit extrem mutig, einem Juden zu helfen. Leopold Humberg schenkt ihr aus Dankbarkeit den Krug, der um 1900 im Westerwald entstand.

Später heiratet Adelheid Bußkönning in die Familie Daniels ein. Ihre fünf Kinder statteten dem Heimatverein jetzt einen Besuch ab. Ihre Mutter habe den Krug stets in Ehren gehalten, sagen sie. Eine der Daniels-Töchter, Christel Eickholt, übergibt dem Verein das schöne Stück. „Meine Mutter hätte es auch so gemacht.“

 
 

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