Zum Tanken geht’s an die Straßenlaterne

Großer Bahnhof mit kleinem Auto an der ersten Ladesäule Nordrhein-Westfalens, die ihre Energie aus einer Straßenlaterne zieht. In Dingden gibt es sie seit gestern.
Großer Bahnhof mit kleinem Auto an der ersten Ladesäule Nordrhein-Westfalens, die ihre Energie aus einer Straßenlaterne zieht. In Dingden gibt es sie seit gestern.
Foto: FUNKE Foto Services
In Dingden steht die erste derartige Ladesäule für Elektroautos in Nordrhein-Westfalen. Bisher gibt es erst vier Elektroautos in Hamminkeln, im Kreis Wesel sind es 41 zuzüglich 22 Hybrid-Autos

Hamminkeln.  Ein großer Schritt in Richtung Elektromobilität wurde im Ortsteil Dingden getan. An der Bocholter Straße, auf dem Parkplatz der Bäckerei Winkelmann, eröffneten Vertreter des Energieversorgers RWE sowie der Stadt Hamminkeln die erste Ladestation für Elektro-Autos in der Ortschaft. Doch es ist keine normale Strom-Tankstelle: Sie wurde unauffällig in den Mast einer Straßenlaterne integriert, von wo beim Ladevorgang auch der Strom bezogen wird.

Ein Kabel für 600 Euro

Diese Aufrüstung der ohnehin vorhandenen Straßenbeleuchtung kommt mit einem unübersehbaren finanziellen Vorteil daher: Während die Errichtung einer klassischen Stromtankstelle um die 10000 Euro kostet, fallen hier nur rund 600 Euro Kosten an, um die Laterne in eine Ladestation zu verwandeln. Dazu wird sie mit einer entsprechenden Systemsteckdose ausgerüstet über die dann Strom aus dem Niederspannungsnetz, an das die Straßenbeleuchtung angeschlossen ist, gezogen werden kann. Allerdings nur mit 3,7 Kilowatt – zum Vergleich: An einer klassischen Stromtankstelle, beispielsweise einer solchen, die am Mittwoch vor dem Hamminkelner Rathaus in Betrieb genommen wurde, ist das Tanken mit 22 Kilowatt möglich, und es gibt gleich zwei Anschlüsse.

Auf die Laternentanker kommen außerdem weitere Kosten zu. Denn um den Strom aus der leuchtenden Tankstelle zu bekommen ist ein „smart cable“, also ein intelligentes Kabel nötig, das mit rund 600 Euro zu Buche schlägt. Seine Intelligenz bekommt es durch einen mobilen Stromzähler, an den die Daten des Kunden gekoppelt sind. Sobald das Auto an der Laterne geladen wird, zählt der Stromzähler mit – das läuft ähnlich, wie bei einem Handyvertrag, am Ende gibt es die Rechnung mit Einzelverbindungsnachweis.

Selbst London hat noch keine

Die Technologie wurde von der Firma Ubriticity entwickelt, die im Berliner Raum bereits 30 Straßenlaternen in Stromtankstellen umgerüstet hat. Geplant ist eine Expansion nach London. „Dass wir in Dingden noch vor London sind, ist auch richtig so“, freute sich Bürgermeister Bernd Romanski scherzend beim Start dieses lokalen Pilotprojektes. Bei der Weiterentwicklung des Elektromobilitätsnetzes denkt er vor allem an die Zukunft: „Wir müssen dafür sorgen, dass eine Infrastruktur da ist“, sagte er, denn nur dann könne sich das Elektroauto auch durchsetzen. Bisher gibt es nämlich erst vier Elektroautos in Hamminkeln, im Kreis Wesel sind es 41 zuzüglich 22 Hybrid-Autos. Allerdings sind auch Elektroautos als Carsharing-Projekt in der Diskussion.

 
 

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