Wie wichtig ist so ein Radler-Test?

Wesel.  Der Absturz Wesels beim so genannten Radklimatest des ADFC war deutlich und keine gute Werbung: Von Rang zwei auf Platz 43. Die Politiker des Stadtentwicklungsausschusses wollten Erklärungen.

Die Gesamtbewertung für das Radfahren in Wesel sei von 2,1 auf 3,3 gerutscht, erläuterte Michael Bläss, Fahrradbeauftragter der Stadtverwaltung. Positiv seien die Erreichbarkeit der Innenstadt, die Wegweisung, die entgegengesetzt zu nutzenden Einbahnstraßen und die wenigen Konflikte mit Fußgängern bewertet worden. Für die Sicherheit gab es ein Befriedigend, für die Ampelschaltungen, die Breite der Radwege und die Behinderungssituation durch Falschparker ein Ausreichend.

Nicht repräsentativ

Bläss relativierte die Dinge. Am vorherigen Test im Jahr 2005 für Städte unter 100 000 Einwohner seien nur 92 Städte beteiligt gewesen, 2012 dagegen 252. Zugleich sei die Beteiligung aus Wesel damals höher gewesen als im vergangenen Jahr, wo mit Mühe 88 Stimmen zusammenkamen - vorrangig von ADFC-Mitgliedern. Die Ergebnisse seien nicht repräsentativ.

Verfälschtes Bild

Bläss sieht bei Radfahrern eine „erhöhte Bewusstseinsbildung für Probleme“, vermutet in diesem Fall aber auch, dass vor allem Radler mitgemacht haben, „die sich geärgert haben“. Nehme man die realen Gegebenheiten, so entstehe ein verfälschtes Bild.

Dagegen verwahrte sich Thomas Lemken (CDU). Bläss habe „keine Antwort auf die Frage gegeben, was passieren soll.“ Der hatte gemeint, dass man den Test trotz aller Mängel „ernst nehmen“ und aus der schlechten Werbung für die Aktion lernen müsse: „Es kommt auf die Mobilisierung an.“ Nicht nur in der Menge, sondern vor allem in qualitativer Hinsicht, sagte Rolf Blommen (SPD).

55 000 Euro stehen Wesel im Rahmen der Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Städte zur Verfügung - für Radschnellwege in Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen oder auch für einen „Bikeomat“, an dem man an verkaufsfreien Tagen Ersatzteile für sein Rad erhalten kann. „Weltfremd“ sei das, meinte Ludger Hovest (SPD), der sich auch keinen Radschnellweg und sinnvollere Einsatzfelder für die Gelder vorstellen kann. Thomas Lemken sieht das ähnlich. Die Mittel seien allerdings zweckgebunden, so Bläss.