Wetten, dass...?

Petra Kuiper

Schermbeck.  Kaum standen sie in den beiden Bankfilialen, lagen schon die ersten Beträge in den Spendenbarometern: einige Münzen, dazu ein Zehn-Euro-Schein. Und auch Bürgermeister Mike Rexforth freut sich bereits über Gebote, wobei er noch zaudert, ob er seine von Udo Lindenberg signierte und mit einem Selbstporträt versehene Gitarre wirklich versteigern soll - oder doch lieber verlosen. Hängt davon ab, was in der Summe mehr einbringt. Schließlich geht es um Geld für den guten Zweck - und im Namen der Gagu-Zwergenhilfe ziehen die Schermbecker bekanntlich an einem Strang. Bis zum 31. Oktober bleibt dem Bürgermeister Zeit, die Wette einzulösen, die er mit dem Team um Gagu-Vorsitzende Gudrun Gerwien abgeschlossen hat. 50 000 Euro Spenden will er für das aktuelle Hilfsprojekt in Sierra Leone zusammenbekommen. Wetten, dass er es irgendwie zuwege bringt? Gestern wurde zumindest laut über eine Fristverlängerung bis Weihnachten nachgedacht.

Das Geld ist für ein Pflegekinderprojekt bestimmt, das die Gagu-Zwergenhilfe im afrikanischen Sierra Leone realisieren will. Auf der Halbinsel Lungi sollen einfache Häuser entstehen, jedes kostet rund 8000 Euro. Die Familien, die einziehen, verpflichten sich im Gegenzug, ein Ebola-Waisenkind aufzunehmen und zu versorgen. Das Projekt komplettiert eine Reihe von Hilfsmaßnahmen der Schermbecker. Die Zwergenhilfe finanzierte bereits ein Kinderhaus, in dem junge Leute bis zu ihrem Schulabschluss leben können - jetzt im September wird außerdem ein Ausbildungszentrum in Betrieb genommen, in dem sich unter anderem eine Näherei und eine Bäckerei befinden. Ein weiterer Schritt in ein selbstbestimmtes Leben.

Gespendet werden darf ab sofort. Gagu-Barometer stehen in der Niederrheinischen Sparkasse Rhein-Lippe und in der Volksbank Schermbeck (beide Mittelstraße) bereit - auch kleinste Beträge helfen. Bürgermeister Rexforth gab zu bedenken, dass die Zielsumme von 50 000 Euro schon fast zusammenkommen würde, wenn jeder Schermbecker nur drei Euro spendet. Rexforth warb mit Jens Schulz, Centerleiter der Sparkasse Rhein-Lippe, und Rainer Schwarz, Vorstandschef der Volksbank Schermbeck, für das Projekt. Er selbst will Gagu mit einem Teil seiner Gitarren-Sammlung helfen. Sieben Instrumente ließ er bereits von Künstlern signieren, darunter Herbert Grönemeyer und Udo Lindenberg, der gleich ein Selbstporträt dazu zeichnete. Den Verkaufs- oder Ersteigerungserlös will er dem Gagu-Projekt zukommen lassen.

Gudrun Gerwien hofft aufs Beste. Gagu sei in jedem Fall der Sieger, sagte sie lächelnd. In diesem Fall wäre es ihr natürlich lieber, wenn man gegen den Bürgermeister verlieren würde und der Betrag am Ende zusammenkäme. Am heutigen Donnerstag fliegt sie nach Sierra Leone, um das Gagu-Ausbildungszentrum einzuweihen. Wetten, dass es ein schönes Fest wird...?