Wesel will den Einzelhandel mit Gastronomie stärken

Das Angebot, etwas zu essen zu bekommen, hat sich in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet. Die Entwicklung ist noch nicht am Ende.
Das Angebot, etwas zu essen zu bekommen, hat sich in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet. Die Entwicklung ist noch nicht am Ende.
Foto: FUNKE Foto Services
  • Das Erscheinungsbild in der Innenstadt hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt
  • Der Online-Handel macht den Einzelhändlern zunehmend zu schaffen
  • Wirtschaftsförderung setzt auf mehr Aufenthaltsqualität in der Innenstadt

Wesel..  Mittagspause in der Innenstadt. Ein wenig raus an die Luft und etwas Leckeres essen. Aber was? Ein belegtes Brötchen oder eine Portion Pommes, viel größer war die Auswahl in Wesels Einkaufsmeile noch vor einigen Jahren nicht. Doch diese Zeit ist längst vorbei, mittlerweile hat die Fußgängerzone einen ganz neuen Charakter bekommen. Viele Gastronomiebetriebe sind dort ansässig geworden, an allen Ecken und Enden laden gemütliche Sitzgelegenheiten zum Verweilen ein.

Diese Entwicklung sei kein Zufall, wie der Wirtschaftsförderer der Stadt, Johannes Opgen-Rhein, sagt. „Das ist ein allgemeiner Trend, der mit der Zunahme des Internethandels einhergeht.“ Denn dadurch, dass immer mehr Kunden Kleidung und Co. Online bestellen, müssten neue Strategien her, um Menschen in die Innenstädte zu locken. „Uns als Stadt Wesel ist es wichtig, den Aufenthaltscharakter in der Fußgängerzone zu fördern und möglichst stetig zu steigern.“ Neben einem attraktiven Angebot an Einkaufsmöglichkeiten zähle dazu auch immer mehr ein gastronomisches Angebot, um die Fußgängerzone als lebendigen Treffpunkt zu erhalten. „Die Innenstadt muss erlebbar sein“, fasst Opgen-Rhein zusammen. Der Wirtschaftsförderung sei es ein Anliegen, hochwertige Gastronomie dorthin zu holen.

So sei er etwa sehr froh über den gut besuchten Startschuss der „Burger Nerds“ an der Brückstraße am vergangenen Wochenende, sagt Johannes Opgen-Rhein. „Da haben wir lange dran gearbeitet, dass das Unternehmen nach Wesel kommt.“ Ein weiterer wichtiger Schritt werde die Eröffnung des Café Extrablatt, die nach einer Verzögerung nun für den Winter geplant ist, ist der Wirtschaftsförderer überzeugt. Mit „The Food Lounge“ an der Hohen Straße 10 im ehemaligen Geschenkeladen „La Vedera“ soll am Herbst zudem ein weiteres hochwertiges Restaurant in die Fußgängerzone kommen – dank der Buffetform, in der die Speisenauswahl angeboten wird, auch bestens für die Mittagspause geeignet.

Inhaberin Birgit Reichel bestätigt das Bemühen der Wirtschaftsförderung, Gastronomiebetriebe in der Fußgängerzone anzusiedeln. Seit mehr als einem Jahr arbeitet sie bereits an der Umsetzung ihrer Idee, von der Stadt sei sie dabei toll unterstützt worden. Fünf oder sechs verschiedene Ladenlokale in Wesel und umliegenden Städten hat sie sich angesehen, viele Gespräche geführt, bis sie schließlich an der Hohen Straße fündig wurde. „Hier stimmt einfach alles: Die Lage, die Größe, das Gebäude und der Vermieter.“ Denn eine Umstrukturierung von Einzelhandel auf Gastronomie sei immer mit umfangreichen und somit teuren Umbauten sowie Auflagen verbunden, hat Birgit Reichel gelernt. Da sei es wichtig, dass die nötigen Umbauten am Gebäude – etwa der Einbau einer Dunstabzugshaube – möglich seien und auch der Vermieter offen dafür sei. „Ich habe mehrere Absagen bekommen, nur weil ich Gastronomie statt Einzelhandel anbieten möchte.“

Nun gehen die Eröffnungsvorbereitungen in die heiße Phase, Anfang September soll es losgehen. In skandinavischem, modernen Ambiente möchte Birgit Reichel in ihrer Food Lounge vor allem Mittagessen anbieten. An einer Selbstbedienungstheke können Kunden aus drei verschiedenen Tellergrößen und wechselnden kalten und warmen Speisen auswählen. Auch eine Suppenbar gibt es, zudem Baguettes, Sandwiches, Quark und Obstsalate sowie Getränke. Schon jetzt hat die Neugastronomin, die BWL studiert hat, Erweiterungspläne wie Firmencatering oder einen Food Truck. „Erst einmal muss aber das Geschäft ans Laufen kommen.“

Den Schritt in die Selbstständigkeit, den Birgit Reichel nun wagt, ist Aileen Sadek bereits vor eineinhalb Jahren gegangen. Damals eröffnete die jetzt 25-Jährige den „Pasta-Mix“ an der Brückstraße. Und das Geschäft laufe gut, sagt Aileen Sadek. „Vor allem zum Mittagessen haben wir ordentlich zu tun.“ So gut, dass die Betreiberin nun sogar ihr Angebot um eine Auswahl von Imbissgerichten erweiterte. „Die Nachfrage meiner Kunden nach einer größeren Auswahl war da“, erklärt sie, wieso sie sich dazu entschloss, nicht mehr nur Pasta und Salate anzubieten. Nun möchte Alieen Sadek auch mit Pommes, Currywurst und Co. in ihr Geschäft locken. Ob die Strategie der Stadtverwaltung, den Charakter der Fußgängerzone zu verändern und mehr Menschen durch Gastronomie anzulocken, aufgeht, das werde sich zeigen, sagt Johannes Opgen-Rhein. Für verlässliche Zahlen sei es noch zu früh. Der Wirtschaftsförderer sieht Wesel aber auf einem guten Weg.

 
 

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