Wer trägt die Verantwortung?

Von Gabi Schultze
Auf dem Podium: Dieter Hofmann, Thomas Pape, Thomas Rünker, Dr. Eberhard Krain und Friedel Hütz-Adams (von links)
Auf dem Podium: Dieter Hofmann, Thomas Pape, Thomas Rünker, Dr. Eberhard Krain und Friedel Hütz-Adams (von links)
Foto: WAZ FotoPool

Wesel.  Es ist ein Schwarzer-Peter-Spiel, das viele Verlierer hat: Rund 5,5 Millionen Kleinbauern bauen weltweit Kakaobohnen an, aus denen Schokolade produziert wird. Trotz harter Arbeit lebt ein Großteil dieser Bauern in purer Armut. Zwar wissen in der Produktionskette wohl alle über diese Missstände Bescheid, verantwortlich sein möchte aber niemand. Um diese bittere Seite der süßen Schokolade ging es am Dienstagabend im Lutherhaus. Unter der Moderation von NRZ-Redakteur Thomas Rünker diskutierten Fachleute zu diesem Thema.

Die Podiumsdiskussion, zu der knapp 100 Zuhörer kamen, war Teil der Kampagne „Die dunkle Seite der Schokolade“ des Evangelischen Kirchenkreises und des Katholischen Dekanates Wesel, die seit Februar läuft. Auf dem Podium saßen neben Pfarrer Dieter Hofmann, der die Kampagne mit koordiniert, auch Friedel Hütz-Adams vom Südwind-Institut, der wissenschaftliche Arbeiten unter anderem auch zur Schokoladenproduktion verfasst, sowie Dr. Eberhard Krain, der bei der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit für Sozial- und Umweltstandards bei landwirtschaftlichen Kulturen zuständig ist. Für die Süßwaren-Industrie war Thomas Pape von der Informationsstelle Schokolade dabei. Ein Vertreter von Rewe Dortmund hätte die Position des Handels darlegen sollen, das Unternehmen erteilte den Veranstaltern jedoch kurzfristig eine Absage. Aus terminlichen Gründen, betonte Hofmann. Für die Diskussion, die nicht so richtig in Gang kam, war es in jedem Fall schade, dass der Handel nicht vertreten war.

Viel Wissenswertes

Trotzdem erfragte Thomas Rünker von den Fachleuten viel Wissenswertes, etwa dass ein Großteil des Kakao-Anbaus in Ghana und an der Elfenbeinküste unter kleinbäuerlichen Bedingungen geschieht und mit hohem Aufwand verbunden ist, da einerseits die Kakaopflanze sehr anspruchsvoll ist, andererseits noch nicht viele Abläufe mechanisiert sind und viel Handarbeit nötig ist. Der Ertrag sei deshalb pro Bauer nicht so hoch, dass er damit viel Geld verdienen könne, erklärte Friedel Hütz-Adams. Außerdem gebe es in der Produktionskette sehr viele Beteiligte. Je mehr Produktionsschritte, desto weniger Geld komme am Ende bei den Bauern an - oft etwa nur ein Dollar pro Tag und Kopf.

Niedrige Weltmarktpreise und die geringe Produktivität sind nach Angaben der Fachleute also die Hauptprobleme.

Wer aber nun die Verantwortung trage und die Macht habe, Änderungen herbeizuführen, das blieb ungeklärt. Das sei eben der Charakter des Schwarzer-Peter-Spiels, sagte Hütz-Adams. „Jeder schiebt die Verantwortung weiter, von den Produzenten über die Süßwarenindustrie und den Handel bis hin zum Kunden.“

Mit Zertifizierungen und Siegeln für eine faire Produktion versuche man, etwas zu verbessern, Bauern etwa Mindestgelder zu garantieren, sie aber auch in Sachen Produktitvität zu beraten. „Es gibt aber keinen Schalter, den man nur umlegt und dann ist alles gut“, sagte Thomas Pape, der auch die Süßwarenindustrie nicht unbedingt in der Verantwortung sieht: „Wir zahlen Weltmarktpreise, wir machen sie aber nicht.“ Es gebe noch viel zu tun, betonte Pape. Etwa für eine ausreichende Verfügbarkeit fair produzierter Schokolade zu sorgen oder Kunden zu überzeugen, sie zu kaufen. „Denn nur, was sich verkauft, kann ein Erfolg sein.“