Wenn nichts mehr geht

Stau am Bahnübergang in Mehrhoog - in den kommenden Jahren könnte sich das noch steigern.Archivfoto: Gerd Hermann
Stau am Bahnübergang in Mehrhoog - in den kommenden Jahren könnte sich das noch steigern.Archivfoto: Gerd Hermann
Foto: Foto: Gerd Hermann

Hamminkeln.  Geschlossene Schranken, ewige Wartezeiten und durch die Bahnlinie beinahe unerreichbar gewordene Dörfer: Die Betuwe beschäftigt weiter ihre Anliegergemeinden. Am Mittwoch, 13. Februar, wird der Regionalverband Ruhr (RVR) mit seinem Planungsausschuss in Hamminkeln zum dreigleisigen Ausbau tagen.

Holger Schlierf, Hamminkelns Bürgermeister und Sprecher der Betuwe-Anrainerstädte, begrüßt, dass der RVR kommt. „Er ist die für uns zuständige Planungsbehörde und kommt, um zu hören, wo uns der Schuh drückt“, sagt Schlierf.

Nutzlose Straßen

Nicht, dass die Probleme beim RVR unbekannt wären. Es hat bereits in der Vergangenheit eine enge Zusammenarbeit gegeben. 2011 gab es eine Ideenwerkstatt, um innovative Konzepte für den verträglichen Ausbau zu entwickeln. Dabei entstand beispielsweise der Vorschlag, die Gleise in Mehrhoog in einem Trog zu verlegen, um die Lärmbelästigung zu senken. „Das wird letztlich eine Kostenfrage sein“, so der Bürgermeister.

„Für uns geht es um die städtebauliche Verträglichkeit, um den Ablauf der Bautätigkeiten und um planerische Störungen“, sagt er. „Straßen verlieren beispielsweise ihre Funktion, wenn Schranken sich kaum noch öffnen.“ Bislang war von Schrankenschließungen bis zu 40 Minuten die Rede. „Die Bahn hat das auf 15 Minuten korrigiert“. Wie realistisch diese Prognose ist, sei unklar.

Bis die beschrankten Bahnübergänge in Unterführungen umgebaut worden sind, gehen vier bis sechs Jahre ins Land, schätzt der Bürgermeister. Jahre, „in denen wir nicht mehr wissen, ob die Schranke überhaupt aufgeht.“ Einen Rechtsanspruch habe man prüfen lassen. „Es gibt keinen Anspruch darauf, dass die Schranken sich heben. Rein theoretisch könnten sie immer geschlossen bleiben“, sagt Schlierf.

Das allerdings sei wohl nicht zu erwarten. „Es kann aber sein, dass die Kommunen auch noch die Bahnübergänge sichern müssen. Nämlich dann, wenn die Menschen unter den Schranken herkriechen, weil sie es nicht mehr aushalten, zu warten.“

Schon jetzt beträgt die Wartezeit bis zu zehn Minuten. Neben Mehrhoog sind davon unter anderen Haldern und Millingen die Hauptbetroffenen. „Nach fünf Minuten stauen sich die Autos in Haldern schon bis auf die B 8.“ Das Ergebnis nach 40 Minuten wäre Chaos.

Lösungen müssen her. „Bislang bleibt uns nur die Möglichkeit, den Bau der Unterführungen nicht aufzuhalten sondern zu beschleunigen“, sagt Schlierf. Doch das liegt nicht allein in der Hand der Kommunen. Die sogenannte Eisenbahnkreuzungsvereinbarung, die Bund und Land miteinander abschließen um die Finanzierung zu sichern, ist noch nicht unterzeichnet. Es geht darin um die Frage, wer welche Kosten übernimmt. Anders als bei normalen Eisenbahnunterführungen ist bei der Betuwe die Kommune nicht im Boot. Das Land hat ihren Anteil übernommen, weil die Städte von der Betuwe außer Lärm und Verkehrsproblemen rein gar nichts haben. Doch ohne Unterschrift kein Vorankommen. Schlierf: „Man hat uns zugesagt dass die Vereinbarung bis zu den Sommerferien unterzeichnet sein wird.“

 
 

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