Wenn der Hund beim Lernen hilft

Tobias darf Enie das Portemonnaie abnehmen, das sie gerade entdeckt und ihm gebracht hat. Darin stecken zwei Karten mit Buchstabenkombinationen. Foto: Markus Joosten
Tobias darf Enie das Portemonnaie abnehmen, das sie gerade entdeckt und ihm gebracht hat. Darin stecken zwei Karten mit Buchstabenkombinationen. Foto: Markus Joosten
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Lehrerin Nadine Klupsch bringt häufig ihre Enie mit. Die Therapiehündin unterstützt sie und vor allem die Schüler.

Wesel.. Enie fühlt sich sichtlich wohl. Sie liegt entspannt langgestreckt auf ihrer Decke und genießt. Kein Wunder, denn Dylan streichelt sie hingebungsvoll. Der Junge hockt neben der Hündin auf einem Stück Teppich. Zusammen mit seinen Mitschülerinnen und Mitschülern der E a, die auch Känguruklasse genannt wird, schaut er auf die Vierbeinerin, die an manchen Tagen wie selbstverständlich zum Unterrichtsalltag gehört. Enie ist eine Therapiehündin und hat gerade eine Auszeit.

Konzentration bei allen

Doch gleich geht’s wieder los, dann gibt sie den Kindern die Vorgaben zum Vorlesen. Dazu holt Frauchen Nadine Klupsch mehrere witzige Kinderportemonnaies hervor, in die zwei Karten mit bestimmten Buchstabenkombinationen gesteckt werden. Enie schaut ganz aufmerksam dabei zu. Dann verstecken die Kinder drei der weichen Stofftaschen, damit die dreieinhalbjährige Duck Toller-Hündin - eine kanadische Retrieverrasse - sie gleich suchen kann. Enie weiß genau, dass es nun losgeht, und schon wieselt sie nach dem Kommando „Enie, such!“ zwischen den kleinen Stühlen und Tischen umher. Die schnell entdeckte Geldbörse bringt sie zurück in die Kinderrunde, wo die Karten auspackt werden und vorgelesen wird. Auf beiden steht ein- und dieselbe Silbe, „Ma“ und „Ma“, was schließlich Mama ergibt. Der Nachwuchs ist genauso konzentriert bei der Sache wie Enie, die nun mit einem großen Schaumstoffwürfel würfeln soll. „Enie, würfel!“, sagen die Kinder. Enie nimmt Anlauf und lässt den Würfel plumpsen. Welche Zahl er anzeigt, müssen die Kinder sagen. Und auch wenn Enie nicht im Mittelpunkt steht, spielt sie eine wichtige Rolle, wie Frauchen weiß. Denn oft sucht die Hündin genau die Nähe von Kindern, die unruhig sind und durch sie ruhig werden. Wenn es Enie zu bunt wird, verzieht sie sich, was den Jungen und Mädchen auch nicht unbedingt gefällt, so dass sie spielerisch lernen, wie sie ihren Liebling für sich gewinnen können.

Kein Wunder, dass die Hundetage in der Schule sehr beliebt sind. Und zwar nicht nur bei den Schülern, sondern durchaus auch bei den Lehrern. Selbst Schulleiterin Sabine Lurtz Petry findet Enie mit ihrem braunen Fell und den weißen Flecken an den Füßen einfach putzig. Und mancher Lehrer, der mit Hunden bislang nicht viel anfangen konnte, hat seine Angst verloren.

Den Nachwuchs regt Enie automatisch zum Beobachten an, und Enie macht den Schülern Mut, selbst zu sprechen. Denn sie hört geduldig zu, ohne zu kritisieren. Hinzu kommt, dass die Kinder die Wärme des Hundes spüren, Vertrauen aufbauen und sich geborgen fühlen. Doch es muss auch ein wenig für das Wohlbefinden von Enie getan werden. So ist immer ein Kind dafür verantwortlich, dass Enie Wasser im Napf hat. Der Hund wird außerdem ausgeführt und mit Nahrung versorgt. Manchmal möchte Enie aber einfach nur ihre Ruhe haben und zeigt genau, dass sie nicht gern von allen bedrängt wird. „Pfoten weg“ , würde sie sagen, wenn sie sprechen könnte, doch die Schülerinnen und Schüler der Känguruklasse verstehen ihren Hundegast mittlerweile auch so.

 
 

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