Wegen Schweizer Doktortitel vor Gericht

Das Amtsgericht in Wesel.
Das Amtsgericht in Wesel.
Foto: NRZ
Doktor-Titel ist nicht gleich Doktor-Titel. Diese Erfahrung machte ein Schermbecker jetzt vorm Weseler Amtsgericht.

Wesel/Schermbeck..  Als Pensionär mühte sich Klaus X. (Name geändert) noch mal durch wissenschaftliche Gefilde, investierte viel Zeit und schrieb eine Doktorarbeit, erhielt den Titel - und musste sich deshalb gestern vor dem Amtsgericht Wesel verantworten.

Er hatte seinen Doktortitel an der Freien Universität Teufen erlangt. Aber deren Abschlüsse werden in Deutschland nicht anerkannt. Das wollte der Angeklagte nicht gewusst haben, ließ sich seinen Doktor-Titel in den Ausweis eintragen.

Der heute 72-Jährige gab an, seine Ehefrau habe ihn gedrängt, seine Zeit als Pensionär zu nutzen. Und so machte sich der Diplom-Ingenieur auf die Suche nach einem Doktorvater. Das war aber gar nicht so einfach. In Essen, in Duisburg und sogar in Innsbruck suchte er einen Professor, der ihn als Doktoranden annehmen würde. Erfolglos. Von einem Bekannten habe er dann den Tipp erhalten, es in der Schweiz zu versuchen. An der Uni Teufen wurde er angenommen und lieferte schließlich eine Doktorarbeit ab. Danach fertigte er noch eine Habilitationsschrift an und wurde zum Professor ernannt.

Keine Vorteileverschafft

Er habe nicht bewusst und vorsätzlich getäuscht, er habe sich dadurch auch keine Vorteile verschafft, sagte er vor Gericht. Erst im vergangenen Jahr sei ihm klar geworden, dass er den Titel nicht habe führen dürfen. Er habe dann die Änderung vornehmen lassen. Als er vor acht Jahren seinen Titel erhielt, sei er davon ausgegangen, er könne ihn auch in Deutschland tragen. Eine entsprechende Angabe habe der Dekan der Schweizer Uni ihm mündlich erteilt. Auch das Schermbecker Einwohnermeldeamt habe die vorgelegten Dokumente akzeptiert und den Titel in seinen Ausweis eingetragen.

Wie sein Anwalt hinzufügte, habe die Behörde auch den Professoren-Titel eingetragen, obwohl es nach dem deutschen Passgesetz gar nicht erlaubt sei. Er sah die Schuld nicht bei seinem Mandanten, sondern beim Einwohnermeldeamt. Es hätte das überprüfen müssen, so habe es fahrlässig gehandelt. Der Richter war anderer Ansicht. Wer einen Doktor-Titel im Ausland erwirbt, sollte sich vorher informieren, ob er ihn in Deutschland tragen dürfe.

Am Ende wurde das Verfahren eingestellt. Auch die Staatsanwältin hatte einiges gehört, das für den Angeklagten sprach. Und so verständigten sich die Beteiligten auf die Einstellung: Wenn der Schermbecker binnen sechs Monaten 600 Euro an eine Weseler Schule überweist.

 
 

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