Wechseljahre, Woll-Lust und Winterspeck

Melanie Koppel

Wesel.  Kaum ein Platz im städtischen Bühnenhaus blieb am Sonntagabend leer, denn die Schlampampen hatten geladen – zur „Damenwahl extra“, ihrem Jubiläumsprogramm mit dem das achtköpfige Kabarettensemble sein 20-jähriges Bestehen feiert. In quietschbunte Schlauchkleider gepresst nehmen die Damen darin so gut wie jedes Klischee aus dem weiblichen Alltag aufs Korn und treiben es pointenreich auf die Spitze.

Problemzonen beim Badeanzugkauf

Männer im Publikum sind eindeutig in der Unterzahl. Kein Wunder, denn spätestens beim „Hitzewellen-Flashmob“ ist klar, dass es die „heißen Frauen“ sind, also jene in den Wechseljahren, die an diesem Abend im Mittelpunkt stehen sollen: „Wir ha’m, wir ha’m Hitze!“ wird da im berühmten Klop-Klopf-Klatsch-Rhythmus von Queens „We will rock you“ intoniert – von Schlampampen und Publikum gleichermaßen.

In zahllosen Sketchen thematisieren die Kabarettistinnen die Probleme von Frauen jenseits der 45. Seien es der, dank Problemzonen, nicht ganz so einfache Badeanzugkauf („Der macht ein ganz schlankes Bein!“) oder die „Flucht“ vor dem pensionierten Gatten („Seitdem mein Hermann in Rente ist, geh ich zwei Mal die Woche zur Vorsorge“). Von der Extremsportart Schnäppchenjagd berichten sie spannend wie von einem Fußballspiel: „Ein gut platzierter Schlag auf den Kopf und das Duell ist entschieden!“

Immer mal wieder sorgen sie außerdem für einen amüsanten Perspektivenwechsel. So lassen sie etwa die „Rollen“ von Astrid und Brigitte in Dialog treten. Und die sind deprimiert – werden sie doch alltäglich als „Winterspeck“ oder „Schwimmreif“ beschimpft. „Warum nennen sie uns nicht liebevoll Pölsterchen?“, beschweren sich die Rollen, vielleicht zurecht. Und auch der Grund für eben jene darf sich ihre Sorgen und Probleme von der Seele reden: Eine Trüffelpraline, die nur zu gern mal in der ersten Reihe (der Schachtel) sitzen würde – aber nein, da sitzt ja die arrogante „Nougat“. Trotzdem hofft sie, dass sie nicht nur so nebenbei verschlungen wird und träumt von einer Wiedergeburt als Baiser oder Crème brûlée: „Egal, Hauptsache kein Drops!“

Neben den Sketchen und Vorträgen sind es auch die vielen Lieder, die dem Publikum die Lachtränen in die Augen treiben. Themen hier sind beispielsweise der chronisch leere Kleiderschrank („Was zieh ich nur an, ich hab nichts für den Abend im Schrank...“), die übertriebene „Woll-Lust“ („Was sollen wir basteln, sieben Tage lang, was wollen wir filzen?“) oder unerwünschte Haare an genau den falschen Körperteilen („Am Kinn, da vor mir, wächst ein kleines Härchen“).