Wächst Gemüse bald im All?

Yannik Kruska (links) und Clemens Norff zeigen per Skizze, nach welchem Prinzip ihre Pflanzenzentrifuge funktioniert.
Yannik Kruska (links) und Clemens Norff zeigen per Skizze, nach welchem Prinzip ihre Pflanzenzentrifuge funktioniert.
Foto: Funke Foto Services
Mit der Erfindung zweier Schüler vom Andreas-Vesalius-Gymnasium könnten Astronauten vielleicht künftig den ersten Weltraum-Salat anbauen

Wesel..  Vitamine, Proteine und andere Nahrungsbestandteile, in Tüten gepresst oder in Tuben gezwängt - so etwa sieht derzeit das Essen für Astronauten aus. Weder besonders ansprechend, noch frisch. Zwei Schüler des Andreas-Vesalius-Gymnasiums (AVG) haben sich eine Möglichkeit überlegt, mit der die Raumfahrer während ihres Einsatzes in den Genuss frischen Gemüses kommen könnten. Mit dieser Idee treten sie beim Wettbewerb „Jugend forscht“ an.

Ein Zylinder, etwa einen Meter hoch, könnte zur Lösung eines Problems beitragen, auf das Ideenentwickler Clemens Norff (15) bei einem so genannten Science-Camp in den vergangenen Sommerferien aufmerksam geworden ist. „Ein Kilo Nahrung mit ins All zu nehmen kostet 150 000 Euro“, erläutert der Nachwuchsforscher. Mit der Pflanzenzentrifuge, die er mit Schulkamerad Yannik Kruska (15) entwickelt hat, könnte Gemüse direkt im All angebaut werden. Das Saatgut dafür mitzunehmen würde reichen.

Der Waschmaschinen-Trick

In der Schwerelosigkeit können Pflanzen nicht wachsen: „Sie wissen nicht, wo oben und unten ist“, weiß Clemens Norff. Seine Idee setzt genau daran an und ist gleichermaßen einleuchtend wie genial. Die von den Schülern entwickelte Pflanzenzentrifuge dreht sich mit 25 Kilometern pro Stunde, das sind etwa 190 Umdrehungen pro Minute – vergleichbar mit einer Waschmaschine. „Durch die Zentrifugalkraft werden die Pflanzen dann in die Erde gedrückt“, erklärt Clemens Norff weiter.

Neben den finanziellen Einsparungen, die die Raumfahrtunternehmen davon hätten, sieht der Erfinder noch einen weiteren Gewinn: „Eine Reise zum Mars dauert ungefähr anderthalb Jahre. Wenn die Astronauten immer aus Tuben essen müssen, drückt das sicher auch auf deren Motivation. Über ein frisches Blatt Salat würden sie sich bestimmt freuen.“

Zunächst haben die Schüler mit der Unterstützung lokaler Firmen einen Prototypen gebaut, mit dem sie am kommenden Mittwoch beim Regionalentscheid von „Jugend forscht“ an den Start gehen. Vereinfacht gesagt ist es ein kleines, sich drehendes Gewächshaus, das ins All geschossen werden könnte.

Trotz des nahenden Wettbewerbs optimieren die Schüler ihre Erfindung immer weiter. „Zur Zeit wachsen die Pflanzen im Grunde genommen wie im Garten“, so Clemens Norff. „Wir überlegen aber, auf Hydroponik umzusteigen.“ Damit würde Erde als Nährboden wegfallen und die Pflanzen könnten durch im Wasser gelöste Mineralstoffe versorgt werden. „Das wäre zu 80 Prozent effektiver, und die Mineralien für zwei Jahre wögen nur zwei Kilo“, erklärt der 15-Jährige. Er hat offenbar an alles gedacht.

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