Vom Wandel der Einkaufsmeile

So sah es Ende der 50er Jahre im Bereich Viehtor und Brückstraße aus.
So sah es Ende der 50er Jahre im Bereich Viehtor und Brückstraße aus.
Foto: Stadt Wesel
Passend zur offiziellen Eröffnung der sanierten Fußgängerzone am nächsten Samstag ist eine Broschüre mit vielen Fotos und Fakten erschienen.

Wesel..  Wer sich das Foto ganz oben anschaut, bekommt unweigerlich Lust, in alte Zeiten einzutauchen. In Zeiten, als Wesel noch seine schönen alten Häuser hatte, in denen zahlreiche Geschäfte zum Bummel einluden. Markisen schützten die Ware in den Schaufenstern vor Sonnenlicht und gaben der Straße ein unverwechselbares Flair.

Das Foto stammt aus einer städtischen Broschüre (siehe Box), die passend zur offiziellen Eröffnung der neu gestalteten Fußgängerzone herauskommt. Darin wird die Entwicklung der Einkaufsmeile bis heute dargestellt.

Rund 50 Jahre nach der Aufnahme ganz oben ist das Verspielte der zweckmäßigen Nüchternheit gewichen, als Folge des Zweiten Weltkrieges, dessen Bomben aus der historisch gewachsenen Hansestadt ein Trümmerfeld machten. Doch die Weselaner ließen sich nicht unterkriegen, schufen Wohnungen und Geschäfte, um so schnell wie möglich wieder Normalität einkehren zu lassen. Bis dahin waren sie auf Bereiche rund um den Bahnhof ausgewichen.

Von einer Fußgängerzone als Einkaufsmeile war man damals noch weit entfernt. Wenngleich die einstigen Handelsplätze der Hanse schon autofrei waren, wenn man von den Fahrzeugen der Markthändler einmal absieht. Derweil rauschten immer mehr Autos, Motorräder und Lkw an den Geschäften vorbei, so dass es den Weselern bald stank, angesichts von Lärm, Stau und Abgasgerüchen. Doch so richtig konnte man sich nicht durchringen, den Verkehr zu verbannen, während in Kiel und Kassel schon die ersten Fußgängerzonen von sich reden machten. Konkrete Überlegungen im Rathaus gab es ab 1971. Während des Weihnachtsgeschäftes 1972 sollte die Fußläufigkeit geprobt werden, doch Oberkreisdirektor Bruno Linke sagte nein. Die Weseler Politik ließ aber nicht locker und die Probephase wurde 1973 eingeläutet. Blumenkästen und Bänke dienten als Absperrungen, die Menschen konnten gefahrlos flanieren und genossen die neu geschaffene Atmosphäre. Doch den Oberkreisdirektor überzeugten die Weseler so schnell nicht. Erst kurz vor Ende seiner Amtszeit fiel der Baubeschluss für die Fußgängerzone im Dezember 1974, im August 1975 begannen die Arbeiten und das bekannte Dreieckspflaster wurde verlegt. Die Einweihung fand am 9. Oktober 1976 statt. Die mittlerweile sanierte Fußgängerzone wird am kommenden Samstag, 14. September, eingeweiht. Um 12 Uhr spricht NRW-Städtebauminister Michael Groschek zum Thema.

 
 

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