Versorgungslücke im Sommer

Von Margret Brüring
Im St. Josef-Haus in Dingden (Foto) und im Christophorus-Haus Hamminkeln werden insgesamt 15 Kurzzeitpflegeplätze angeboten. Im Mittel reicht das, sagen die Betreiber. Doch saisonale Spitzenzeiten könnten nicht abgefedert werden.
Im St. Josef-Haus in Dingden (Foto) und im Christophorus-Haus Hamminkeln werden insgesamt 15 Kurzzeitpflegeplätze angeboten. Im Mittel reicht das, sagen die Betreiber. Doch saisonale Spitzenzeiten könnten nicht abgefedert werden.
Foto: Peggy Mendel

Hamminkeln.  Veränderungen in der Schullandschaft und der dringende Bedarf, Kindergartenplätze für unter Dreijährige zu schaffen - bei diesen aktuellen Aufgaben darf die Stadt jedoch nicht den Blick auf die ältere Generation außer acht lassen.

Das machten die aktuellen Zahlen deutlich, die Verwaltung und Vertreter von Senioreneinrichtungen und Tagespflege dem zuständigen Hamminkelner Fachausschuss jetzt vorlegten. Dabei konzentrierten sich Niko Ridder vom St. Josef-Haus Dingden), Sebastian Braam vom Christophorus-Haus Hamminkeln, und Gudrun Eifert, Vorsitzende des Vereins Zusammen(H)alt, auf die Themen Kurzzeit- und Tagespflege. Die beiden Begriffe erläuterte zunächst Stephan Wießing, der im Rathaus auch für die Pflegeberatung verantwortlich ist. Beide Angebote zielen zunächst einmal darauf, älteren Menschen so lange wie möglich den Aufenthalt in den eigenen vier Wänden, bzw. nach einem Krankenhausaufenthalt die Rückkehr dorthin sichern zu können. Bei der Tagespflege gilt es darüber hinaus, pflegenden Angehörigen eine Entlastung anzubieten.

„Die Tagespflege ist aber kein Ersatz für einen Pflegedienst. Und sie ist kein Hotel“, machte Stephan Wießing deutlich. Ein Hinweis, dem Gudrun Eifert nur zustimmen kann. Seit drei Jahren betreibt der Verein Zusammen(H)alt die Tagespflege mit zwölf Plätzen im ehemaligen Verwaltungsgebäude in Dingden. Montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr können die Gäste dort betreut und auch gefördert werden. Leichte Gymnastik und Beschäftigung mit aktuellen Themen stehen auf dem Wochenprogramm, das sich auch an den Jahreszeiten orientiert. „Es gibt jeden Tag eine Zeitungsrunde, bei der wir beispielsweise aus der aktuellen NRZ vorlesen“, schilderte Angelika Floß, zuständig für Beschäftigung und Hauswirtschaft. Natürlich werde auch gesungen und erzählt. Mittagessen oder das gemeinsame Kaffeetrinken gehören zu geregelten Tagesablauf.

Besucht wird die Tagespflege ganz unterschiedlich. „Wir haben Gäste, die kommen nur einmal die Woche, andere sind an zwei und mehr Tagen da“, berichtete Gudrun Eifert dem Ausschuss. Dabei sehen die Mitarbeiterinnen sehr verschiedene Krankheitsbilder: Schlaganfall, Parkinson oder auch leichte Demenz. „Aber wir haben auch ganz fitte Senioren dabei, die über uns Kontakte mit Gleichaltrigen knüpfen möchten.“ Dass die Tagespflege examiniertes Fachpersonal und geschultes Betreuungspersonal vorhält, ist Pflegedienstleiterin Ursula Villbrandt ganz wichtig. Der Tag in der Dingdener Einrichtung kostet zwischen 60 und 80 Euro und ist abhängig von der Pflegestufe.

Refinanzierung ändern

Kurzzeitpflegeplätze, die für einen Aufenthalt von vier Wochen pro Jahr genutzt werden können, halten sowohl das St. Josef-Haus als auch das Christophorus-Haus vor. Wenn auch mit unterschiedlichem Konzept. In Dingden sind die fünf Plätze aufs Heim verteilt, in Hamminkeln sind die zehn Plätze in einem eigenen Bereich untergebracht. Beiden Häusern gemeinsam ist aber, dass sie den Bedarf zu „saisonalen Stoßzeiten“ nicht decken können. Doch weitere Plätze für die Kurzzeitpflege können angesichts der derzeit geltenden Rahmenbedingen nicht ausgewiesen werden, legte sich Niko Ridder fest. Erst wenn sich die Refinanzierung für die Heime änderten, könne man Plätze freihalten und mit niedriger Auslastung arbeiten. „Im Jahresmittel reicht die Zahl aus, doch die Plätze werden nicht gleich verteilt in Anspruch genommen.“ Gerade während der Sommerferien suchen Angehörige oft vergebens.

Ob es nicht so etwas wie einen Masterplan gebe, wollte Anneliese Große-Holtforth (CDU) von der Verwaltung wissen. Davon könne keine Rede sein, erklärt Jürgen Palberg. „Wir sind auf verschiedensten Feldern der demographischen Entwicklung unterwegs. Ein Lob gab’s trotzdem: Hamminkeln sei schon bei der Betreuung älterer Menschen sehr vorbildlich, versicherte Peter Mellin, Sprecher der Lokalen Agenda Senioren.

Die Zahl der älteren Menschen in Hamminkeln steigt deutlich an. Das zeigt der Blick auf die Statistik nach den Zensus-Ergebnissen 2011. Danach sind 2790 Menschen 65 bis 74 Jahre alt, über 75 und älter sind 2260 Menschen. Damit liegt der Anteil der Älteren bei knapp 20 Prozent.Bis 2030 werden etwa 8800 Menschen in Hamminkeln leben, die älter als 65 sind und damit einen Anteil von gut 32 Prozent an der Bevölkerung haben.