Verschwindet Hindenburg komplett aus Wesel?

Wesel.. Von Franz Etzel bis Wilhelm Schneider reicht die Liste der Ehrenbürger der Stadt Wesel, vom ehemaligen Bundesfinanzminister bis zum ehemaligen Bürgermeister.

Zwölf Männer besitzen die Ehrenbürgerschaft der heutigen Kreisstadt. Darunter war auch Adolf Hitler. 1983 wurde sie ihm aberkannt. Das soll nun auch mit dem einstigen Generalfeldmarschall und Reichspräsidenten Paul von Hindenburg passieren, der seit 1917 Ehrenbürger von Wesel ist. So möchte es jedenfalls die SPD-Fraktion (die NRZ berichtete).

Damals wurde die Hohe Straße in Hindenburgstraße umbenannt. Erst 1945 erhielt sie wieder ihren alten Namen. Dass ein Teil der Bundesstraße 8 noch Hindenburgstraße heißt, hängt mit der kommunalen Neuordnung zusammen. Denn bis 1975 gehörte Lippedorf noch zu Voerde und nicht zu Wesel.

Hindenburg, der 1933 Hitler zum Kanzler ernannte, soll nach dem Willen der SPD sowohl aus der Ehrenbürgerliste als auch aus dem Stadtplan verschwinden. SPD-Fraktionschef Ludger Hovest hatte dies vor einigen Monaten beantragt, weil Hindenburg von namhaften Historikern unter anderem als Steigbügelhalter Hitlers eingeschätzt wird, weil er das Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933 in Kraft setzte und so aktiv daran mitwirkte, dass sich die NS-Diktatur etablierte. Er hofft nun, dass der Rat diesen Schritt beschließt- unabhängig davon, ob die angrenzende Stadt Voerde, in der die Hindenburgstraße fortgesetzt wird, mitmacht oder nicht.

Vorschläge, wie die Straße künftig heißen soll, gibt es noch nicht. Vielleicht werde man die Anlieger entscheiden lassen, mutmaßte Hovest im Gespräch mit der NRZ. Von den Änderungen betroffen seien etwa 20 Häuser mit 30 Parteien. Sie müssten ihre postalische Anschrift ändern.

Kein Ehrenbürger mehr?

Die CDU hält sich bei dem Thema zurück. Fraktionsvorsitzender Jürgen Linz möchte, dass alles so bleibt wie es ist, will sich aber in seiner Fraktion umhören. Für ihn gebe es wichtigere Themen. Da für die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft eine Zwei-Drittel-Mehrheit notwendig ist, müsste die Union mitziehen. Bei der Umbenennung der Straße ist dagegen nur eine einfache Mehrheit nötig.

 
 

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