Tilapia-Förderkreis: Kleine Fische, große Erfolge

Neben dem Tilapia leben auch andere Fische in den Teichen. Einheimische freuen sich über einen guten Fang.
Neben dem Tilapia leben auch andere Fische in den Teichen. Einheimische freuen sich über einen guten Fang.
Foto: privat
Derzeit ist Besuch aus dem Kongo bei Familie Lux in Blumenkamp: Bilanz eines Projekts, das der Tilapia-Förderkreis Niederrhein mitfinanziert hat.

Wesel..  Am Anfang war nichts. Nichts als Steppe, kaum besiedelt. Jetzt wächst hier was, entstehen Gebäude, entwickelt sich ein kleines Dorf. Alles kam durch den Fisch und den nach ihm benannten Tilapia-Förderkreis Niederrhein, der diese Entwicklung mit angestoßen hat. Sein Vorsitzender Manfred Lux aus Blumenkamp und seine Frau Mary erhielten gestern Besuch aus dem Kongo, wo das Projekt vieles positiv verändert.

Charles Ikwankata ist zum ersten Mal in Europa. Er ist Prokurator der Claretiner Missionare in der Kongo-Metropole Kinshasa und betreut das vom Niederrhein aus mitfinanzierte Projekt. Mit ihm gemeinsam kam Bernhard Mayer nach Wesel, der für den Orden der Claretiner in Deutschland nach Partnern sucht, für den Kongo ein Fischteich-Projekt im Auge hatte und per Internet auf den Tilapia-Förderkreis stieß. Die Claretiner ermöglichen in vielen Ländern der Erde Selbsthilfe-Projekte zur Armutsbekämpfung.

Er stillt nicht nur den Hunger

Fisch ist ein sehr guter Eiweiß-Lieferant. Und der Tilapia wiederum ist ein idealer, wenig aufwendiger Fisch, um nicht nur Hunger zu stillen, sondern auch für die zur menschlichen Entwicklung notwendigen Proteine zu sorgen. Mary Kocks-Lux ist über ihren Onkel Pater Heine auf diese Möglichkeit der Hilfe aufmerksam geworden. 1999 wurde der Tilapia-Förderkreis gegründet, der rund 50 Mitglieder hat, oft auf Basaren vertreten ist und sich rührig um Spenden bemüht. Neben rund 30 Patenschaften in Uganda hat er bislang etwa 50 Projekte in verschiedenen Ländern mitfinanziert.

Als Charles Ikwankata seiner Mission in Würzburg meldete, dass am Rande des Kongo-Beckens, gut hundert Kilometer von Kinshasa entfernt, ein Gelände und Wasser zur Verfügung stünden, und Bernhard Mayer anklingelte, hat der Förderkreis seine Unterstützung zugesagt. Im Frühjahr 2012 begannen die Menschen vor Ort, in einem Bachbett Teiche anzulegen. Bald stießen sie auf Hindernisse - auf Fels und für die Eindämmung ungeeignetes Erdreich. Ein per Hand angelegter 75 Meter langer Kanal sorgte für die Lösung, führte Wasser in 14 angelegte Teiche, in denen der Tilapia ausgesetzt wurde.

Er vermehrt sich fleißig, ernährt sich von den Blättern der Manjok-Pflanze, die nahe bei angebaut wird und deren Wurzel für die Bewohner etwa unserer Kartoffel entspricht. Mindestens sechs Monate braucht der Fisch, der zu den Barschen zählt, bis er verwertbar ist. Gefangen wird er, indem das Wasser der etwa einen Meter tiefen Teiche abgelassen wird. Ein Teil des Fanges wird getrocknet, zermahlen und den Mahlzeiten beigemengt, ein anderer gesalzen. Unbehandelt und in Wasserfässern geht ein weiterer Teil des Fanges auf die beschwerliche Reise in die Hauptstadt, um dort verkauft zu werden.

Die Menschen, die im räumlichen Bereich des Projektes leben, waren bislang Selbstversorger. Nun arbeiten immer mehr von ihnen auf einer Farm, die der Orden der Claretiner Missionare nach und nach erweitert. Entstehen sollen ein Wasserkraftwerk, ein Gesundheitszentrum und eine eigene Fischzucht. Die 5000 Euro, die der Tilapia-Förderkreis Niederrhein investiert hat, haben viel bewirkt.

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