Spitze Schuhe als Symbol des Bösen

Um 1470 entstand diese Arbeit für das Dominikanerkloster in Dortmund. Martin Roelen erläutert den Teilnehmern der Führung Details. Fotos: Markus Weißenfels
Um 1470 entstand diese Arbeit für das Dominikanerkloster in Dortmund. Martin Roelen erläutert den Teilnehmern der Führung Details. Fotos: Markus Weißenfels
Foto: WAZ FotoPool
Die Führungen durch die Derick-Baegert-Ausstellung mit vielen Reproduktionen sind sehr gefragt. Die NRZ schloss sich gestern Mittag an.

Wesel.. Das Original gab’s zum Schluss. Da öffnete Stadtarchivar Dr. Martin Wilhelm Roelen die klimatisierte Schatzkammer im Centrum, und alle Teilnehmer der gestrigen Führung durch die Baegert-Ausstellung schauten sich das einzige erhaltene profane Kunstwerk von Derick Baegert aus nächster Nähe an. „Die Eidesleistung“ ist die in der Heimatstadt des Malers bekannteste Arbeit von ihm, hing sie doch einst im großen Saal des Rathauses, wo Recht gesprochen wurde. 1493/94 entstand das Bild, auf dem der Beklagte vom Teufel zum Meineid aufgefordert wird. Doch ein Engel flüstert ihm zu, nicht falsch zu schwören, denn der Herr werde es beim jüngsten Gericht schon wissen.

„Die Eidesleistung“ ist bereits mehrfach restauriert worden. Immer wieder werden dabei die neuesten Erkenntnisse der Restaurierungskunst erprobt, sagte Roelen, der beim Rundgang zuvor auf so manches Detail der Baegert-Werke einging. Zum Beispiel auf die flandrischen, italienischen und holländischen Einflüsse des kurz vor 1440 geborenen Malers, der aus einer reichen Weseler Familie stammt und eine Werkstatt in seiner Heimatstadt betrieb.

Fälschlicherweise wurde er bislang meist als westfälischer Künstler bezeichnet, wahrscheinlich weil er viele Werke für den westfälischen Raum schuf. Die erste große Arbeit nach Baegerts Gesellenjahren - 1464 kehrte er nach Wesel zurück - war ein Auftrag für das Dominikanerkloster in Dortmund. Sie entstand 1470 auf großformatigen Tafeln, die als Reproduktion im Centrum zu sehen sind. Damals gab es noch den typischen Hintergrund in Gold, der später vom Blau des Himmels abgelöst wurde. Wie auf vielen Baegert-Werken ist der Künstler selbst zu sehen. Er schaut der heiligen Veronika über die Schulter und als einziger die Betrachter an. Auf eine Signatur konnte er so getrost verzichten.

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Das Viehtor in Wesel

Auch Bauwerke sind auf den Arbeiten zum Teil eindeutig zu erkennen. So wies Roelen auf das Viehtor hin, das auf der „Geißelung Christi“ (1480/90) zu sehen ist. Dortmund und Jerusalem werden ebenfalls abgebildet, bei anderen Ansichten steht nicht zweifelsfrei fest, wo sich die Vorlage befindet.

Bemerkenswert sind auch die fünf noch erhaltenen Fragmente des Altars, den der Künstler für die Weseler Mathenakirche schuf. Hier ist Baegert mitten im Bild zu sehen, direkt neben dem Kreuz.

Um 1509 starb der Maler, der zuletzt auf der Hohen Straße wohnte. Sein Sohn Jan führte die Werkstatt mit mehreren Gesellen weiter. Dort war alles reine Handarbeit. Vom Mischen der Farben bis zur Bearbeitung des Holzes.

Termine und mehr: Drei weitere Führungen

Noch bis Sonntag, 15. Januar, kann die beeindruckende Ausstellung mit Reproduktionen von Derick Baegerts Werken in der Galerie im Centrum besucht werden. Sie ist dienstags bis freitags von 10.30 bis 18.30 Uhr, samstags von 10 bis 16 Uhr sowie sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Der Eintritt kostet zwei Euro für Erwachsene. Kinder ab sechs Jahre, Schüler und Jugendliche zahlen einen Euro, die Familienkarte ist für vier Euro zu haben. Den zur Ausstellung herausgebrachten Katalog gibt es im Centrum für 20 Euro, im Buchhandel kostet er 25 Euro.

Weitere Führungen mit Stadtarchivar Dr. Martin Roelen finden am morgigen Donnerstag, 5. Januar, um 16.30 Uhr, am Dienstag, 10. Januar, um 12 Uhr und am Donnerstag, 12. Januar, um 16.30 Uhr statt. Sie sind kostenlos, es wird nur das Eintrittsgeld fällig.

 
 

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