SPD-Chef Hovest saß im Bahntunnel fest

Immer mehr Güterzüge rattern über die Betuwe-Strecke. Doch was ist mit der Sicherheit der Anlieger?
Immer mehr Güterzüge rattern über die Betuwe-Strecke. Doch was ist mit der Sicherheit der Anlieger?
Foto: Gerd Hermann / WAZ FotoPool
Was er dort erlebte, schilderte er jetzt Bahnchef Rüdiger Grube. Denn der Sozialdemokrat sorgt sich um die Sicherheit an der Betuwe-Linie.

Wesel..  Nein, es war kein Aprilscherz, den der SPD-Fraktionsvorsitzende Ludger Hovest am 1. dieses Monats erlebte, es war die Realität. Der Sozialdemokrat saß im ICE 528, der hinter Frankfurt stundenlang mitten im Tunnel liegen blieb (die NRZ berichtete). Was er da erlebte, schildert er nun in einem Brief an den Chef der Deutschen Bahn (DB) AG, Rüdiger Grube.

„Die vom DB-Personal veranlassten Maßnahmen und das Verhalten des Zugpersonals haben bei mir starke Zweifel aufkommen lassen, ob die DB solche Pannen professionell und unter Wahrung der Sicherheit der Passagiere beherrscht“, heißt es in den knapp zweieinhalb DIN A4-Seiten unter anderem. Am Ende spannt Hovest den Bogen zur Güterstrecke Betuwe und kündigt an, dass er als Politiker seine Zustimmung zum Ausbau nicht geben werde, bevor nicht all seine Fragen zufriedenstellend beantwortet seien. Zum Beispiel die: „Wie kann es sein, dass ein kompletter Zug mit circa 400 Fahrgästen über eine Tür und eine ziemlich schmale Hühnerleiter evakuiert wird?“

Hovest, der in dem Teil des Zuges saß, in dem sich auch der Stromabnehmer befand, erlebte, wie das Gerät wieder in Gang gesetzt werden sollte. „Es endete mit lautem Knallen und feuerwerksähnlichem Funkenflug“, schildert er die Situation. Im Laufe der weiteren Bemühungen sei schließlich das Licht ausgegangen und das Notstromaggregat angesprungen. Doch auch die Notstromzufuhr funktionierte nicht lange, was zu folgender Durchsage führte: „Notstrom ist nicht mehr in allen Wagen vorhanden. Wer Licht braucht, geht bitte in die Wagen, in denen noch Notstrom ist.“ Ab und zu sei dann doch wieder das Licht angegangen. Währenddessen zeigte sich das Zugpersonal offenbar unwissend. „Es wird schon Hilfe kommen“, sei eine der Aussagen gewesen.

Der Weseler Politiker äußert in dem Brief seine große Sorge, ob die Bahn auf solch relativ harmlose Betriebspannen oder auf echte Katastrophen angemessen reagieren kann. Schließlich gehe es bei der Betuwe auch um die Sicherheit der Bürger an der Bahnlinie. Denn hier seien ähnliche Troglagen durch Lärmschutzwände zu erwarten wie in dem Niedernhausener Tunnel.

„Wie wird evakuiert, wenn ein Brand ausbricht und die reichlich vorhandenen Gefahrgüter, die auf der Betuwe transportiert werden, beispielsweise entgleisen?“ fragt Hovest. Er fordert den Bahnchef auf, die Ängste und Bedenken der Menschen von vornherein durch überzeugende Sicherheitskonzepte zu zerstreuen. Hier habe die Bahn eine Bringschuld.

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