„So richtig auf die Kresse“

Kabarettist Martin Zingsheim begeisterte die Zuschauer.
Kabarettist Martin Zingsheim begeisterte die Zuschauer.
Foto: Michael Nicolas
Mit Klavier-Kabarettist Martin Zingsheim betrat ein neues Gesicht die Bühne in Marienthal - und überzeugte auf ganzer Linie.

Hamminkeln..  Nach mehr als 32 Jahren mit vielen Marienthaler Abenden und rund 100 000 Besuchern, wie Mitorganisator Karl-Heinz Elmer in den Begrüßungsworten mitteilte, war der aktuelle Marienthaler Abend etwas ganz Neues. Gemeint war damit der Künstler des Abends, Martin Zingsheim mit seinem Musikkabarett- und Comedyprogramm „Kopfkino“. Bei seinem frisch, frech, froh, frivol, fantastischen Solovortrag verflog die Zeit beim Zuhören und Lachen über die vielen skurrilen, spitzen, sympathischen, aber auch sanften satzbildenden Kuriositäten des Alltags.

Zingsheims brillant verrückter Blick auf die Welt und die Menschen, die in ihr leben, war ein einzigartiges Power-Play-Programm, bei dem sich die Pointen jagten und stetig übertrafen. Immer wieder brandete Applaus auf, der von selbsterkennenden Lachsalven durchkreuzt und ergänzt wurde – Zingsheim fühlte sich erkenntlich wohl auf der Bühne.

Dass Timing im Kabarett eine große Rolle spielt, ist ja hinlänglich bekannt. Martin Zingsheim scheint diese Kunst mit der Muttermilch aufgesogen zu haben, denn jede Klimax bereitete er mit Leichtigkeit und stetigem Wortwitz vor. „Internet und Kindererziehung haben viel gemeinsam. Alles steht und fällt mit den Cookies!“

„Gönkwrömm“

Der 30-jährige Kölner erzählt von seiner jugendlichen Sehnsucht, Filmstar werden zu wollen. „Am Besten im Film „Akne-X!“ Ja, Zingsheim ist eine echte „Rampensau“; er wickelte das Publikum locker um den Finger.Währenddessen spielt er Klavier und singt dazu. Zum Beispiel „Ich denke, dass ich alle Männer der Weltgeschichte, nur nicht ich selber bin“ oder eine Hommage an die Musik und die Songs der 90er!. Beim Song „Gönkwrömm“ – ein Begriff der beim googlen null Treffer hat – ließ Zingsheim das Publikum mitsingen, übertönte es mit „Snippe Snippe Snippe doo Waah!“, und bekannte „ich wusste nicht, was ich mal singen kann.“ Nachdem Martin Zingsheim verlauten ließ „Ich will Sozialkritik, auf die man tanzen kann“ spornte er die rund 150 Gäste im Kulturzelt an, ihre Meinung frei zu äußern. Jedoch sei es wichtig, dabei den Satzbau zu beachten. Man solle besser nicht sagen „Ich bin gut und das ist auch schwul so!“

Die Existenz von Kultur sieht Zingsheim überall und ergänzt „wo es keine gibt, da wird sie gefördert“, und sogleich sang er mit verstellter Stimme wie Herrmann van Veen und Klaus Kinski, um beispielhaft zu zeigen, wie er seine drei Kinder in den Schlaf singt. Dann parodierte Martin Zingsheim das Genre „Improvisationstheater“ und beim Thema Ernährung bekam jeder beim „Selbstversorger-Song“ noch mal „so richtig auf die Kresse!“

Und natürlich zwei Zugaben.

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