Sie ist seine älteste Liebe

Friedrich Schöneberg blickt auf 70 Jahre bei der Feuerwehr zurück. Er schwärmt von den schönen Festen und dem Zusammenhalt.Foto:Markus Weissenfels
Friedrich Schöneberg blickt auf 70 Jahre bei der Feuerwehr zurück. Er schwärmt von den schönen Festen und dem Zusammenhalt.Foto:Markus Weissenfels
Foto: WAZ FotoPool

Wesel..  Wenn Friedrich Schöneberg einmal etwas anfängt, dann bleibt er auch dabei. „Ich bin eine treue Seele“, sagt der 86-Jährige über sich selbst. Seit fast 60 Jahren ist er verheiratet, mehr als 50 Jahre Mitglied des Bürgerschützenvereins in Wesel.

Seine älteste Liebe aber ist die zur Weseler Feuerwehr, seit ganzen 70 Jahren ist er hier Mitglied. Bei der Jahreshauptversammlung wurde Schöneberg dafür geehrt (siehe Text rechts).

Im Oktober 1942 trat der junge Weseler in die Feuerwehr ein. „Aus einem ganz einfachen Grund“, wie er sich noch ganz genau erinnert: „Ich hatte keine Lust auf die Hitlerjugend und suchte eine Alternative.“ Schon sein Vater war bei der Feuerwehr gewesen. „Da wusste ich also in etwa, was auf mich zukommt und dass mir das Spaß machen würde.“ Im Oktober 1942 hatte Schöneberg seinen ersten Nachtdienst in Obrighoven. „Eine ruhige Nacht“, wie er sagt.

Per Sirene alarmiert

Ruhig war es in den vielen Jahren seiner aktiven Feuerwehrzeit aber nicht immer. Vor allem der Wiederaufbau in der Nachkriegszeit verlangte den Männern einiges ab. Die Bombardierung seiner Heimatstadt im Februar 1945 hatte Schöneberg gar nicht mitbekommen. Er hatte zuvor eine Ausbildung zum Flugmotorenschlosser in Thüringen begonnen. 1944 wurde er eingezogen und war dann in Nürnberg. „Nürnberg wurde zur gleichen Zeit bombardiert wie Wesel. Ich saß mittendrin und hatte keine Ahnung, dass es hier genauso aussah.“

Nach einer Kriegsgefangenschaft kam Schöneberg Ende Mai 1945 wieder zurück in die Heimat. „Ich bin dann direkt wieder zur Feuerwehr gegangen und habe beim Aufbaudienst mit angepackt.“

Der 86-Jährige kann sich an viele Einsätze erinnern. „Und die kann man sich nicht so vorstellen wie heute.“ Die Feuerwehrleute seien per Sirene alarmiert worden, später über ein Gerät, das in der Wohnung angebracht wurde. „Telefon oder Funk hatte ja noch keiner.“ Zu Fuß ging es dann zur Friedenstraße, wo die Einsatzfahrzeuge standen.

Große Waldbrände unter anderem in Bönninghardt und im Dämmerwald sind Friedrich Schöneberg im Gedächtnis geblieben, in heißen Sommern gab es auch zahlreiche Flächenbrände. „Manchmal mussten wir fünfmal am Tag ausrücken.“ Anstrengend war’s für den Weseler und seine Feuerwehrkollegen. „Aber es hat unheimlich viel Spaß gemacht.“ Nach mehr als 20 Jahren nach dem Ende seines aktiven Feuerwehrdienstes schwärmt der 86-Jährige noch immer von der tollen Kameradschaft unter den Männern und den Festen, die sie zusammen gefeiert haben.

Etwas passiert ist dem langjährigen Feuerwehrmann, der immer die Drehleiter gefahren hat, übrigens fast nie. „Nur einmal“, sagt er. „Bei einem Einsatz in Friedrichsfeld bin ich durchs Dach gefallen und bis in die Parterre gestürzt. Zum Glück habe ich mir nur eine Rauchvergiftung zugezogen, ansonsten ist das gut gegangen.“

Ehrungen und Beförderungen

Zahlen und Berichte gehören zur Jahreshauptversammlung der Weseler Feuerwehr ebenso wie Beförderungen und Auszeichnungen. Und auch am Freitag galt es, zahlreiche Urkunden zu überreichen. Bürgermeisterin Ulrike Westkamp, Dezernent Klaus Schützen und der stellvertretende Kreisbrandmeister Udo Zurmühlen übernahmen diese Aufgabe.

Für 70 Jahre in der Feuerwehr wurde Friedrich Schöneberg (Löschzug Stadtmitte) mit einer Ehrenmedaille ausgezeichnet. 55 Jahre gehört Franz-Bienen Scholt (Bislich) der Wehr an, 50 Jahre ist Josef Jansen (Ginderich) dabei. Für 35-jährige Mitgliedschaft wurden geehrt: Wolfgang Maternowski und Peter Stockmann (beide Feuer- und Rettungswache), Bernd Tepass und Thomas Stevens (beide Büderich), Ludger Amerkamp und Kornel Schmitz (beide Bislich). 25 Jahre: Volker Gertges und Jörg Grossart (beide Feuer- und Rettungswache), Klaus Bongert (Büderich).

Zu stellvertretenden Löschzugführern wurden Volker Wagner (Stadtmitte) und Ralf Koch (Obrighoven) ernannt. Jugendfeuerwehrwart in Bislich ist jetzt Jan-Dirk Heiligers, seine Stellvertreter sind Thomas und Carsten Krebs. Zu Unterbrandmeistern befördert wurden Tim Ridder (Stadtmitte), Matthias Halswick und Thomas Kuhlmann (beide Büderich), Stefan Schiwek (Obrighoven); Brandmeister: Simon Quernhorst und Dr. Dirk Meintrup (beide Ginderich), Florian Maternowski (Stadtmitte); Hauptbrandmeister: Andreas Hurtienne (Obrighoven); Brandinspektor: Volker Wagner (Stadtmitte), Ralf Koch (Obrighoven).

In die Altersabteilung wird Anfang März Wilhelm Pooth versetzt. Zwölf Jahre lang war er als ehrenamtlicher stellvertretender Leiter der Feuerwehr tätig und musste im vergangenen Jahr aus gesundheitlichen Gründen aus dem Dienst auf der Feuer- und Rettungswache ausscheiden.

 
 

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