Schöner warten in Wesel

Foto: WAZ FotoPool

Wesel.  Wartehäuschen an den Bushaltestellen bereiten der Verwaltung immer wieder Sorgen. Diejenigen aus Beton sind zwar fast unverwüstlich, werden aber verschmiert und verschmutzt, mitunter gar als Toilette missbraucht. Außerdem werden sie häufig als Angsträume empfunden, weil sie von außen nicht einsehbar sind.

Deshalb hat die Verwaltung auch seit 2010 mit Zuschüssen des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) nach und nach 17 verglaste Wartehallen aufgestellt – hell, freundlich, einsehbar. Aber auch immer wieder Gegenstand der Zerstörung. 13 Mal hat es seitdem recht kostspielige Vandalismusschäden gegeben, Schwerpunkt sind die Wartehäuschen in Bislich Auf dem Mars und Schüttwich. „Sie stehen nicht unter sozialer Kontrolle“, erläutert Reiner Schürmann von der Verwaltung das Problem, die Häuschen stehen im Grünen, weitab von Gebäuden.

„Jede Wartehalle kostet rund 5000 Euro“, erklärt er. „Ich gehe nicht davon aus, dass Bislicher das tun. Die Täter fahren gezielt Haltestellen an, die schlecht einsehbar sind.“ Ohnehin betrifft das Problem fast alle 17 Standorte der modernen Häuschen im Stadtgebiet.

„Eine Reparatur kostet uns im Schnitt 1100 Euro“, ergänzt Bürgermeisterin Ulrike Westkamp, die mit Blick auf häufige Beschädigungen sagt: „Stopp, wir haben zu viel Vandalismus!“ Derzeit ist der gläserne Unterstand in Büderich am Elvericher Weg demoliert. Nach einer Diskussion im Stadtentwicklungsausschuss sollen hier neue Wege begangen werden. Schürmann: „Wir wollen andere Materialien ausprobieren.“ Die Scheiben könnten durch Plexiglas oder Kunststoff ersetzt werden. Plexiglas hat den Nachteil, dass es leicht zerkratzt werden kann und mit der Zeit unansehnlich wird. Und auch Kunststoff lässt sich zerstören, wenn jemand es unbedingt will.

Am Elvericher Weg kann die Stadt einen solchen Versuch starten. Andere Standorte sind bis zu 80 Prozent vom VRR bezuschusst worden. „Wir müssen überprüfen, ob die Stadt den Zuschuss zurückzahlen muss, wenn wir das Material austauschen“, erläutert Schürmann.

Was aber tun mit den 23 Betonwartehallen, die auch Ulrike Westkamp als „nicht schön“ bezeichnet? Es ginge nicht, alle Betonhäuschen auszutauschen, ergänzt die Bürgermeisterin. Deshalb geht die Stadt in Zusammenarbeit mit WeselMarketing jetzt neue Wege: Nach und nach sollen immer mehr Häuschen künstlerisch gestaltet werden. „Schöner Warten in Wesel“, nennt Westkamp den Versuch, kostengünstig die wenig attraktiven Unterstellmöglichkeiten optisch aufzupeppen. „Viele Künstler suchen Projektionsflächen“, ist sie sich sicher und natürlich erfreut, dass Künstlerin Marie-Paule Neu mit ihren drei Töchtern Malaika, Samantha und Tatjana auch gleich den ersten Betonklotz an der Quadenwegschule mit Farbe und Pinsel in Angriff genommen hat. „Das wird eine philippinische Fischerhütte“, erklärt Neu. Den Raum mit ursprünglich grauen Betonwänden verwandeln die Malkünstler eine braun-gelbe „Bambushütte“ mit drei großen Fenstern, die den Blick aufs blaue Meer und den Himmel freigeben. So entsteht für den Wartenden um ihn drumherum ein Gefühl von Weite und Freiheit – statt wie zuvor von Enge.

 
 

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