RWE soll die Strecke frei geben

Ludger Hovest, Klaus Kaitna, Thomas Lusch und Dyrk Lübke (v. links): Für den Verein ist der Zug bald abgefahren.
Ludger Hovest, Klaus Kaitna, Thomas Lusch und Dyrk Lübke (v. links): Für den Verein ist der Zug bald abgefahren.
Foto: FUNKE Foto Services
Ludger Hovest (SPD) fordert Rainer Hegmann (RWE) zum Handeln auf: Sind die Amprion-Gleise für den Historischen Schienenverkehr weiter tabu, steht der Weseler Verein vor dem Aus.

Wesel..  Dem Historischen Schienenverkehr Wesel geht die Luft aus – schuld daran ist ein Streit, für den der Verein nichts kann. SPD-Fraktionschef Ludger Hovest fordert Rainer Hegmann, RWE-Deutschland und Leiter der Hauptregion Rhein/Ruhr, auf, das Problem umgehend mit seinem Vorstand zu lösen. „Das gute Verhältnis von RWE zur Stadt Wesel und zur SPD wird in Mitleidenschaft gezogen.“ Hovest droht offen mit Liebesentzug.

Das Problem ist juristisch, somit kompliziert. Außerdem sind ein Großkonzern und eine Bundesbehörde beteiligt. Und da wäre noch die EU. Das dauert. Den Eisenbahnfreunden fährt die Zeit davon.

Das Problem: RWE-Tochter Amprion betreibt bundesweit Gleise, um ihre Maschinen – im Weseler Fall Transformatoren fürs Umspannwerk Obrighoven – zu transportieren. Bislang durften Museumsbahnen sie nutzen. In Brilon war das so, bis ein Bahnbetreiber klagte und sich auf EU-Recht bezog. Er beanspruchte, die dortige Strecke ebenfalls nutzen zu können. Ergebnis: Amprion-Gleise sind für alle Museumsbahnen derzeit tabu.

Amprion ringt mit der Bundesnetzagentur für Eisenbahn um eine Lösung, seit Monaten. Für die Ehrenamtler stehen alle Signale auf Rot: Sie dürfen ihre traditionelle Strecke in die Hohe Mark mit Stopp und Führung beim alten Wasserwerk nicht mehr fahren. Endstation Weseler Bahnhof. „Da stehen wir 20 Minuten herum, bis die Lok rangiert ist und wir zurückfahren können“, sagt Klaus Kaita, Vorsitzender des Historischen Schienenverkehrs. „Wir haben den gleichen Aufwand, nehmen aber kaum noch etwas ein.“ Unattraktiv ist die Strecke außerdem. Kunden wie die Weiße Flotte, die Fahrgäste brachte, und ein niedersächsisches Busunternehmen, können kaum bedient werden. „Wir haben Gäste zum Hauptbahnhof gefahren. Dort sind sie in Busse umgestiegen zum Wasserwerk“, beschreibt der Vorsitzende einen Versuch, die Interessenten zu bedienen. „Aber da bleibt für uns nichts in der Kasse.“

Das juristische Problem ist in Wesel kaum zu lösen, Amprion soll gegen die EU-Bestimmung geklagt haben, verhandelt außerdem mit der Bundesnetzagentur. „Es wäre denkbar, dass für jede einzelne Fahrt eine Genehmigung eingeholt werden müsste“, beschreibt Kaita einen möglichen Kompromiss. Noch mehr Bürokratie, doch das würden sie auf sich nehmen. Es wäre ein Hoffnungsschimmer.

Rainer Hegmann ist nicht der zuständige Mann beim RWE, doch das ist Hovest egal. Er sieht den Konzern als Ganzes in der Pflicht, nicht allein Amprion. „Es steht der gute Ruf der RWE in Wesel auf der Kippe“, sagt er. Welche Knöpfe Hegmann drücken müsste und ob es eine isolierte Wesel-Lösung wäre, ist ihm egal. Nur schnell muss es gehen.

Nikolauszug

Der Nikolauszug fährt auch in diesem Jahr, am 5. und 6. Dezember. Trotz der verkürzten Strecke ist er sehr beliebt - und daher bereits ausverkauft.

Rund 1000 Gäste werden an den beiden Tagen unterwegs sein. Nikolaus steigt an der Grünstraße zu und beschenkt die kleinen Passagiere.

 
 

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