Riesenbrücke für Tiere über die A 31

Andreas Rentel
Foto:  Ralph Heeger
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Schermbeck. Damit Tiere die Autobahn 31 passieren können entsteht in der Rüster Mark bei Schermbeck eine 4,5 Millionen Euro teure Grünbrücke. „Das wird ein sehr großes Bauwerk“, sind sich die Bau-Ingenieure Ludger Igel und Andreas Kunert einig.

Die beiden Bau-Ingenieure Ludger Igel und Andreas Kunert überwachen als Projektleiter und Bauaufsicht für Straßen NRW ein für hiesige Breiten ungewöhnliches Vor­haben: den Bau der (umstrittenen) Grünbrücke über die Autobahn 31 in der Rüster Mark bei Schermbeck. Der hohe gelbe Turmdrehkran kündigt die Stelle schon von Weitem an.

Der Standort sei optimal und ganz bewusst gewählt, so Igel. Denn nur im Baubereich umgibt Wald die Fahrbahnen, und diese liegen in einem Einschnitt. Andernorts wäre das Gefälle also aufwändig auszugleichen. Aber das 4,5-Millionen-Euro-Projekt bietet auch so Herausforderungen genug. Die bleiben zumindest beim Boden (für die Geologen: „Halterner Sande“) erspart: Fest gelagert, ohne leicht zu rieseln, bietet er eine gute Baugrundlage. Der Prüf-Ingenieur war ganz begeistert. Und um später unliebsame Überraschungen zu vermeiden, wa­ren die Kampfmittel-Sucher bereits im (zum Glück vergeblichen) Einsatz.

Fester Grund ist auch nötig, der zunächst die Fundamente der Brücke zu tragen hat. Rund 6000 Kubikmeter Beton werden für diese, die Außenwände, die Mittelmauer und die 1,20 Meter dicke Decke benötigt. „Auf einer Seite muss man anfangen“, sagt Igel, und so entschieden sich die Fachleute für den Westen des spiegelbildlich zu sehenden Baus. Bis auf wenige Details sind auf der Ostseite die gleichen Ar­beitsschritte nötig.

Baustraßen machen die Sache sicherer

Bereits im Spätherbst startete das Vorbereiten der rund 15.000 Quadratmeter großen Bauplätze. Die Wildschutzzäune waren nach hinten zu verlegen, der Regionalverband Ruhr (RVR) als Waldbesitzer war immer mit im Boot. Kabel für die Notrufsäulen wollten verlegt, viel Erdreich verschoben und zwischengelagert sein. „Jetzt ist deutlich etwas passiert“, sagt Ludger Igel über die Baustraßen, die das Befahren der Baustelle in beide Richtungen erleichtern und sicherer machen.

Das Problem: Normalerweise liegen rechts und links einer Brücke Straßen, hier nicht. „Wir müssen von der Autobahn aus arbeiten“, erklärt Igel, alles Material kommt über die A 31 an den Bauplatz. „Es ist meine erste Grünbrücke, aber nicht meine erste Brücke“ sagt der Ingenieur über das Vorhaben, das bis Ende 2011 erledigt sein soll.

Bis dahin bleibt viel zu tun: Nach den Fundamenten - sie reichen bis zwei Meter tief un­ter Fahrbahn-Niveau - sind die drei Wände (eine auf dem Mittelstreifen), die bogenförmigen Widerlager und die De­cken an die Reihe. Fürs Schalen der Decken ist der Verkehr von einer Richtung auf die Gegenseite zu verschwenken, fürs Betonieren nicht.

Tempo 80: Einige schon erwischt

Die Autobahn bleibt zudem fast durchweg zweistreifig befahrbar, aber derzeit nur mit Tempo 80. Fuß vom Gas ist ratsam: Die Polizei erwischte bereits einige „Tiefflieger“. Igel und Kunert werben um Verständnis: „Auf der Baustelle arbeiten schließlich Menschen.“

Bis in den Spätherbst fließt der Beton. Die ein Meter dicke Schicht Erdreich oben drauf lässt sich zum Teil parallel anliefern und auftragen. „Die Zeitspanne ist relativ kurz“, gibt Igel zu. Immerhin werden 45.000 Kubikmeter Erde für die Grünbrücke bewegt, um den Tieren nach fast 20-jähriger Unterbrechung ein Queren der A 31 möglich zu ma­chen. Der Verkehr rollt dann durch einen 50 Meter langen Tunnel. „Ganz ordentliche Ausmaße“, findet auch Andreas Kunert. Jeden Tag achtet er am Bauplatz auf exakte Arbeit, Projektleiter Igel kommt mindestens einmal in der Woche von der Weseler Außenstelle von Straßen NRW dazu.