Reitzenstein-Gelände bald komplett

Ein kleines idyllisches Fleckchen: Werner und Wilma Titze vor ihrer Wohnung auf dem Reitzenstein-Gelände.
Ein kleines idyllisches Fleckchen: Werner und Wilma Titze vor ihrer Wohnung auf dem Reitzenstein-Gelände.
Foto: WAZ FotoPool
2003 ist Hermann Tecklenburg an der alten Reitzenstein-Kaserne vorbei gefahren und war gar nicht begeistert. Dann aber erwarb er das Gelände, weil es günstig war. 1,3 Millionen Euro gab er aus, um 30 Millionen zu investieren. Bald sind die letzten Wohnungen fertig - für britische Soldaten.

Wesel..  An historischer Stätte schließt sich der Kreis. In der 1902 erbauten Reitzenstein-Kaserne waren einst das kaiserliche Feld-Artillerie-Regiment 7, später Wehrmacht und Bundeswehr untergebracht. Nun wird das angrenzende Gelände Wohnort für britische Soldaten. In zehn Jahren hat Investor Hermann Tecklenburg mit seiner Straelener Firma die fast 61 000 Quadratmeter große Gesamtfläche in ein begrüntes Wohnareal verwandelt. Ein Gebäude entsteht noch bis Ende des Jahres, dann ist der Schlusspunkt gesetzt.

„Leiser als in der Feldmark“

Werner und Wilma Titze wohnen mittendrin. In einer von sechs Seniorenwohnungen.Vor gut einem Jahr sind sie von der Springendahlstraße hierhin gezogen, haben einen kleinen, liebevoll gepflegten Garten angelegt und erfreuen sich auch an dem angrenzenden Park des Caritas-Hauses St. Ludgerus mit seinen drei Wasserfontänen. Erstaunlich ruhig ist es hier. „Leiser als in der Feldmark“, sagt Wilma Titze. Den Bahnhofslärm „hören wir kaum“, ergänzt ihr Mann. Zum Teil ist das Gewöhnung, aber es liege auch daran, dass zwischen den Gleisen Flächen, Grün und Bauwerke lägen, die als Lärmpuffer wirkten, so der 77-Jährige. Und er habe mal die Zeit gestoppt, die ein Güterzug für die Durchfahrt benötige: „Das sind gerade mal 25 bis 30 Sekunden“. Wenn die Betuwe-Linie kommt, sollen auch in diesem Bereich Lärmschutzwände entstehen. „Das erlebe ich sowieso nicht mehr“, scherzt Wilma Titze.

Häuser für NATO-Offiziere

Derzeit kriegen die Titzes und ihre Nachbarn eher den Handwerker-Lärm von den noch im Bau befindlichen Häusern nebenan mit. Aber das Ende ist absehbar. 13 zweigeschossige Reihenhäuser für britische Offiziere und ihre Familien entstehen, die zum März nächsten Jahres bezogen werden sollen. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) wird Mieter der zwischen 120 und 140 Quadratmeter Platz bietenden Häuser sein, die bis hin zu den Lampen schlüsselfertig eingerichtet werden. Die britischen Offiziere, die der NATO-Einheit in der Schill-Kaserne angehören, brächten gerade noch „ihr Bett und ihre Matratze mit“, sagt Stephan Dix von der Firma Tecklenburg.

Ursprünglich war an dieser Stelle mal ein Supermarkt angedacht, dann barrierefreie Einfamilienhäuser, für die indes die Nachfrage fehlte. In die Bresche sprang ausgerechnet die BImA, von der Tecklenburg seinerzeit das alte Kasernengelände erwarb. So wird es nun möglich, zu den sechs derzeit schon von britischen Soldaten genutzten Wohnungen weitere Einheiten zu errichten und die Lücke an der Friedenstraße zu schließen. Ihr Name ist damit gleichsam verpflichtende Adresse.

Die Anbindung der Soldaten-Familien in der Stadt sei eine wichtige Sache, sagte Bürgermeisterin Ulrike Westkamp, die sich gestern gemeinsam mit SPD-Ratsmitgliedern das Reitzenstein-Viertel ansah, Tecklenburg lobte und ihrerseits von dem Investor Lob für die Entwicklung Wesels in den letzen Jahren.

Ein Problem: Schimmel

Zwischen den alten Kasernengebäuden mit der Erinnerungstafel an Wilhelm I., „den Großen“, preußischen König und erster deutscher Kaiser, wo einst Offiziere Tennis spielten, befinden sich heute Grün- und Kinderspielflächen. Auch auf den vorgesetzten Balkonen grünt und blüht es. Aber von den 86 denkmalgeschützten Eigentumswohnungen stehen 20 leer. Schimmel ist das Problem. Ein Makel am Vorzeigeprojekt, den Tecklenburg in den Griff bekommen will. Bei der Sanierung werde eine Isolierung aufgebracht.

 
 

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