Quartett kehrt der CDU den Rücken

Thomas Moll (links) und Jürgen Linz arbeiten politisch nicht mehr gemeinsam für die CDU.
Thomas Moll (links) und Jürgen Linz arbeiten politisch nicht mehr gemeinsam für die CDU.
Foto: Heiko Kempken/WAZ FotoPool
Thomas Moll, Franz Bothen, Jürgen Lantermann und Patrick Tenhaeff gründen eine neue Fraktion – diese nennt sich „Wir für Wesel“.

Wesel..  Das ist ein kleines kommunalpolitisches Erdbeben: Die vier gestandenen bisherigen CDU-Ratsmitglieder Thomas Moll, Franz Bothen, Jürgen Lantermann und Patrick Tenhaeff haben sich aus der Fraktion und der Partei verabschiedet, behalten aber ihr Ratsmandat bei und machen nun weiter Politik als eine neue Fraktion, die sich „Wir für Wesel“ – kurz „WfW“ – nennt. Dies ist möglich, denn in Wesel kann eine Fraktion bereits aus zwei Ratsmitgliedern gebildet werden.

Wirtschaftspolitischer Zweig

Die vier Abtrünnigen gehörten zum wirtschaftspolitischen Zweig der CDU: Thomas Moll ist Ausschussvorsitzender des ASG sowie im Aufsichtsrat der Stadtwerke und von „DeltaPort“. Franz Bothen ist Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaftsförderung und gehört dem Verwaltungsrat der Sparkasse an. Jürgen Lantermann ist vor allem durch seine regelmäßigen Bürgertreffs bekannt, zudem sitzt er im Aufsichtsrat des Bauvereins. Patrick Tenhaeff gilt als der Kontaktmann zur Weseler Geschäftswelt. Er gehört zum Aufsichtsrat vom Stadt-Marketing und engagiert sich zudem in der Werbegemeinschaft.

„Als langjährige Mitglieder der CDU bedeutet unser Austritt aus der CDU-Fraktion keineswegs eine Abkehr von den Zielvorstellungen der gesamten CDU, jedoch ist dieser Schritt als Ausdruck einer völlig desorientierten und tatenlosen Politik der CDU-Fraktionsspitze in Wesel zu verstehen“, begründen die vier ihren Schritt. Bereits seit der Kommunalwahl 2014 seien Unstimmigkeiten über den künftigen Weg der CDU-Fraktion zu Tage getreten. Obwohl bisher stärkste Kraft, sei die CDU in vielen politischen Fragen im Rat isoliert und vermittele immer mehr den Eindruck, dem aktuellen Geschehen hinterher zu rennen, so das Quartett weiter.

Schwerpunkte für die künftige Arbeit der WfW (auch über die jetzige Legislaturperiode hinaus), würden Bürgernähe, Wirtschaftspolitik, Stadtentwicklung, Stadtmarketing und die Stärkung der städtischen Beteiligungen und Gesellschaften sein“, erklären Moll, Bothen, Lantermann und Tenhaeff.

CDU: „Befreiung und Chance“

Für Jürgen Linz, den stark kritisierten CDU-Fraktionsvorsitzenden, sowie den CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Sebastian Hense kam der Schritt der vier Ratsmitglieder nicht unerwartet, teilten sie am Wochenende mit und ergänzen, dass die Weseler CDU den Austritt als „Befreiung und Chance“ sehe und sich nun wieder ausschließlich auf politische Themen konzentrieren könne. Linz und Hense beschreiben Machtkämpfe innerhalb der CDU: „Das von Franz Bothen vor der gesamten Fraktion ausgesprochene politische Ziel war der Sturz des Fraktionsvorsitzenden Jürgen Linz. Insofern zeigt der Austritt das Scheitern und die politische Niederlage der Beteiligten.“ Und weiter: „Sowohl der CDU-Parteivorstand als auch die Fraktion sehen jetzt mit Zuversicht in die Zukunft.“

 
 

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