Prozess endet mit Freispruch

Hünxer (49) stand wegen Vergewaltigung und Freiheitsberaubung vor Gericht.

Hünxe/Wesel.. Vergewaltigung und Freiheitsberaubung lauteten die Vorwürfe gegen den 49-jährigen Reiner P. ( alle Name geändert). Dem Mann aus Hünxe wurde vorgeworfen, im August 2008 seine damalige Freundin Karin L. nach einem Streit ins Schlafzimmer seiner Wohnung gefolgt, sie festgehalten und vergewaltigt zu haben. Anschließend habe er sie zwei Stunden lang daran gehindert, die Wohnung zu verlassen in dem er sie abgeschlossen und den Schlüssel behalten habe. Der Angeklagte bestritt die Vorwürfe energisch.

Nach der Darstellung des Fenster- und Gebäudereinigers habe keine Handlung gegen den Willen seiner damaligen Freundin stattgefunden. Während des einvernehmlich erfolgten Geschlechtsverkehrs habe sie von ihm verlangt, „aus sich heraus zu gehen“, womit sie meinte, sie während dem Beischlaf auf übelste Weise zu beschimpfen, was der Angeklagte abgelehnt habe und sich von ihr abwandte. Alleine aus dem Haus lassen wollte er die Frau aus Essen, die nach eigenen Angaben krank sei, nicht, weil er in einer einsamen Gegend Hünxes lebe, in der nachts nur schwer ein Taxi zu bekommen sei.

Karin L. habe ihm außerdem erzählt, nach mehreren Vergewaltigungen durch ihren Stiefvater „ein bis zwei“ Kinder bekommen zu haben, die sie allerdings abgegeben hätte. Aus diesem Grund sei er ihr gegenüber besonders behutsam gewesen. Im Übrigen habe sich der vermeintliche Vorfall irgendwann zwischen Ende Mai und Anfang Juni 2008 ereignet. Karin L. sagte erst aus, nachdem der Angeklagte den Raum verlassen hatte. Sie gab an, in der fraglichen Nacht irgendwann eingesehen zu haben, dass sie die Wohnung nicht verlassen könne und habe daher im Wohnzimmer auf dem Sofa geschlafen.

Am nächsten Morgen habe sie sich vom Angeklagten nach Essen fahren lassen. In den Monaten danach kam es nach übereinstimmenden Aussagen zu regelmäßigen Kontakten. Karin L. hat ihn mehrfach besucht, mit ihm und seinen Eltern Karten gespielt. Als Grund dafür gab sie an, Beweise sichern zu wollen. „Im August habe ich meine jetzige Frau kennen gelernt und Karin L. gesagt, dass ich keinen Kontakt mehr wünsche. Sie sagte, dass sie unter diesen Umständen wisse, was zu tun ist. Wenig später hat sie mich angezeigt, Monate nach der vermeintlichen Tat“, entrüstete sich der Angeklagte.

Eine Gutachterin bescheinigte Karin L. eine posttraumatische Belastungsstörung. Die Ereignisse aus ihrer Jugend und das 2008 Erlebte könne sie jedoch trennen. Chronologisch identische Darstellungen deuteten zudem auf die Glaubwürdigkeit ihrer Aussage. Dieser Ansicht folgte auch die Staatsanwältin, die wegen Vergewaltigung und Freiheitsberaubung eine Freiheitsstrafe von insgesamt zwei Jahren und zehn Monaten forderte. Vor allem ihr Hauptargument, dem Opfer fehle das Motiv zu lügen, widersprach der Verteidiger des Angeklagten vehement. „Mein Albtraum ist es, abends alleine in meinem Büro zu sitzen und mir von meiner Sekretärin eine Akte bringen zu lassen. Am nächsten Tag behauptet sie, ich hätte ihr an die Brust gefasst und ich werde verurteilt, weil sie kein Motiv für eine Lüge hat.“ Ferner wies der Verteidiger auf widersprüchliche und vor allem untypisch detailarme Aussagen des vermeintlichen Opfers hin, woraufhin eine Verurteilung unmöglich sei. Das Gericht folgte dieser Ansicht und sprach den Angeklagten frei.

 
 

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