Postkartenbuch mit alten Motiven in Wesel vorgestellt

Auch diese Ansicht von der Innenstadt mit dem Willibrordi-Dom findet sich in dem Buch „Gruß vom Niederrhein“.
Auch diese Ansicht von der Innenstadt mit dem Willibrordi-Dom findet sich in dem Buch „Gruß vom Niederrhein“.
Foto: Joosten
Der Düsseldorfer Thomas Bernhardt stellte alte Ansichtskarten vom gesamten Niederrhein zusammen und machte daraus das Buch „Gruß vom Niederrhein“.

Wesel..  Vermutlich hat sich das „Fräulein Karola“ riesig gefreut. Eine wunderschöne Postkarte mit dem bunten Treiben vor Rathaus und Willibrordi-Dom flatterte ihr im Februar 1915 ins Haus, ein Gruß eines heute unbekannten Absenders, der Dame vermutlich sehr zugetan. Thomas Bernhardt, Grafiker, Autor, Heimatforscher, lässt die Fantasie gern spielen. Er hat noch mehr in seinem Fundus. Einen Urlaubsgruß aus Wesel nach Godesberg etwa, frankiert mit zehn Pfennigen und dem Antlitz von Theodor Heuss. Das war am 4. August 1961. Oder wie wäre es mit einer Luftaufnahme aus den 1920er Jahren - der französische Text deutet darauf hin, dass hier ein Besatzungssoldat zur Feder griff, um seinen Lieben ein paar Zeilen aus der Fremde zukommen zu lassen...

Noch ein „Gruß vom Niederrhein“. Thomas Bernhardt könnte stundenlang erzählen. Seit vielen Jahren sammelt der Düsseldorfer Ansichtskarten aus alten Zeiten, jetzt sind die schönsten abfotografiert und gebunden erschienen. Ein Bilder-Buch zum Gucken und Staunen und gleichzeitig eine schöne Erinnerung an eine noch nicht allzu lang zurückliegende Vergangenheit ohne E-Mail, SMS und Whatsapp.

Gerade jetzt in der Weihnachtszeit feierte die Postkarte eine Renaissance. Ein guter Anlass, das kleine feine Buch zu präsentieren. Es entstand aus einer Sammelleidenschaft heraus, berichtet Thomas Bernhardt. Und das kam so: In seiner Freizeit fährt er gern mit dem Fahrrad am Niederrhein. Während der Touren machte er in Zons und Kalkar Station, besuchte Kevelaer, Emmerich, Xanten, Kleve und Wesel. Unterwegs stöberte er in Antiquariaten, kleinen Geschäften und auf Trödelmärkten und erwarb im Laufe der Zeit hunderte Postkarten. Nach und nach entstand daraus ein kleines Privatarchiv. „Und irgendwann“, fasst Bernhardt zusammen, „war die Zeit eben reif.“

Älteste Aufnahme von 1900

Als Partner kam der Sutton Verlag mit ins Spiel, nun liegt der fertige Bildband vor. Auf 128 Seiten nimmt Bernhardt die Leser mit auf eine Rundreise durch die Städte des Niederrheins und die Vergangenheit. Rund 150 Ansichtskarten stellte er zur Verfügung, die älteste stammt von 1900. Darunter liebevoll kolorierte Grußkarten und Naturaufnahmen, historische Stadtansichten und Wahrzeichen. Beim Blättern fällt der Blick auf den Weseler Rheinhafen in den 50er Jahren, auf die alte Eisenbahnbrücke, von der heute nur noch Reste existieren. Und man entdeckt die katholische Pfarrkirche Marienthal an ihrem alten Standort am Rhein, früher vermutlich das älteste Kloster der Augustinereremiten in Deutschland.

Ebenso interessant wie die Bilder findet Thomas Bernhardt die Geschichten, die dahinter stecken. Sie erzählen vom „lieben Mariechen“ in Straßburg, einer Dame namens Frieda und vom Fräulein Josephine aus Düsseldorf. Aber auch vom Besatzungssoldaten, der an die Mutter schrieb, dass alles in Ordnung ist. Und von einer Hedwig, die ihre Freundin bat: „Empfehle mich meinem Herrn und Gebieter aufs beste...“

Es sei schade, dass man die Vorderseite der Karten nicht zeigen könne, bedauert Bernhardt. Die Informationen, die er hatte, hat er zu den abgebildeten Exemplaren geschrieben. Bernhardt schweift ab. Mittlerweile habe er den Eindruck, das Smartphone sei an den Händen seiner Kinder festgewachsen, erzählt er. Dabei klappte die Informationsweitergabe schon anno dazumal ganz gut. Drei- bis fünfmal pro Tag wurde früher in Großstädten die Post zugestellt, hat er recherchiert. „Da konnte man sich auch schon schriftlich für den selben Abend verabreden.“

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