Porträtmalerei im Humberghaus

Foto: WAZ FotoPool

Hamminkeln.. Seine Augen strahlen, wenn er von seiner Kindheit in Dingden erzählt. Eine Zeit, in der Ulrich Rölfing oft seinen Vater Bernhard begleitete, der bekannte und beliebte Tierarzt, der das Vieh auf dem Land versorgte.

Rölfing, Jahrgang 1958, kann sich an große Ställe erinnern und an imposante Küchen, wo der Schinken noch über dem Ofen hing, und es für den Vater zum Abschluss manchmal einen Schnaps gab. Jetzt dreht der Künstler, der sein Atelier in Hamburg hat, hier wieder seine Runden. Der Heimatverein Dingden hat für ihn 21 Landwirte gefragt, ob sie bereit sind, sich von ihm porträtieren zu lassen. Sie waren und kommen nun pünktlich morgens um zehn ins Humberghaus, um erst ein bisschen zu reden und dann still zu sitzen, bis das Bild fertig ist.

Mal ein Traktor,
mal ein Birnbaum

Gestern war Wilhelm Hufe aus Nordbrock da. Und am Nachmittag Ulrich Rölfing bei Wilhelm Hufe. Denn zu den Porträts gehört auch ein Gemälde vom Hof oder Teilen davon. Das Resultat sieht jedes Mal anders aus, damit es nicht langweilig wird, erläutert der freischaffende Künstler, der als Maler und Bildhauer aktiv ist. Denn irgendwie sehen die Bauernhäuser ja doch alle ähnlich aus. Und so ist bei Willi Bielefeld ein Traktor neben einem Gebäude zu sehen, das ohnehin bald abgerissen wird. Bei Heinrich Daniels steht ein Birnbaum im Mittelpunkt, bei Bernhard Ellering ist es eine Kastanie.

Eines haben die Landwirte übrigens alle gemein: Sie kennen sowohl Rölfings Vater, der 1996 verstarb, als auch die Humbergs, die im provisorischen Atelier einst lebten.

Das leere Humberghaus mit seinem hellen Licht und der schönen Atmosphäre findet der Wahl-Hamburger und gebürtige Dingdener ideal für sein Vorhaben, charaktervolle Gesichter auf Papier festzuhalten. Dabei arbeitet er mit Eitempera. Für die zwölf fertigen Bilder hat er genau zwölf Eier aufgeschlagen. Dazu kommen noch Leinöl, Wasser und Farbpigmente, und schon kann die Oberfläche gestaltet werden.

Ende des Jahres oder Anfang 2012 sollen die entstandenen Werke in einer Ausstellung präsentiert werden. Der Ausstellungsort steht allerdings noch nicht genau fest.

Noch bis zum 10. September arbeitet Rölfing, der vor zwei Jahren auch eine Plastik für den Kippelpatt namens „Kippelpa“ schuf, in Dingden und wohnt bei seiner Mutter. Dann geht es samt der geschaffenen Werke zurück nach Hamburg, wo er aber nicht immer arbeitet. Als er sich vor vier Jahren verstärkt dem Thema Porträt widmete, suchte er ein Obdachlosenheim in Vreden auf, weil ihn die Gesichter der Menschen dort sehr interessierten. Entstanden ist eine Wanderausstellung, die quer durch Deutschland tourte und unter anderem in Münster, Paderborn und Limburg zu sehen war. Dazu entstand ein Katalog mit dem Titel „Die Wucht des erlebten Schicksals“.

Bronzeskulpturen für das
Maritime Museum

Darüber hinaus fertigte der Künstler, der unter anderem in Wien und Bochum studierte, für das Maritime Museum in Hamburg Köpfe, diesmal als Bronzeskulptur. Beispielsweise Leif Erikson, obwohl er keine Vorlage hatte, was im Übrigen auch für die anderen Entdecker gilt. Lediglich von James Cook existiert ein historisches Porträt.

 
 

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