Pedelec statt Cadillac

Wesel.  Polizist Bernhard Samotta hat erst kürzlich die Vorzüge aber auch die Gefahren von Pedelecs erfahren. Und er ist sich ganz sicher, dass die Fahrräder mit elektronischer Unterstützung auf dem Vormarsch sind – vor allem, weil sie die Mobilität erhöhen und die Lebensqualität steigern: „Gerade bei älteren Herren erzeugen diese Räder ein Easy-Rider-Feeling, wenn sie mit wehenden Haaren den Fahrtwind spüren – da haben sie Glanz in den Augen und Spaß in den Backen.“ Senioren, die jahrelang nur noch Auto gefahren seien, kehren nun zum bequemen Zweirad zurück. Pedelec statt Cadillac quasi.

Am morgigen Samstag, 20. September, bietet der erste Weseler Pedelectag im und am Rathaus nicht nur Wissenswertes rund um das neuartige Gefährt, sondern auch gleich die Möglichkeit zu einem Praxistest.

20 Unfälle in acht Monaten

Dass die Nutzung von Pedelecs aber auch Risiken mit sich bringt, zeigt die Zahl von 20 Unfällen im Kreis Wesel zwischen November 2013 und Juli dieses Jahres mit dem Rad, bei dem der Fahrer von einem Elektroantrieb unterstützt wird, wenn er in die Pedalen tritt.

„Im Weseler Stadtgebiet werden am Tag bereits 4 000 Touren – das entspricht zwei Prozent aller Fahrten – mit Pedelecs durchgeführt“, erläutert Michael Blaess, Fahrradbeauftragter der Stadt Wesel, die sich seit 1995 als „fahrradfreundliche Stadt“ bezeichnen darf.

„Der Anteil des noch recht jungen Verkehrsmittels wird immer größer“, ergänzt Bürgermeisterin Ulrike Westkamp, die morgen um 10 Uhr den Pedelec-Tag eröffnen wird und sich sicher ist, dass bei vielen Weselern ein „großer Informationsbedarf“ besteht.

Frank Schulten, Geschäftsführer der Kreisverkehrswacht, informiert anschließend nicht nur über Maßnahmen, um Unfällen vorzubeugen, sondern bietet neben einem Helmtest auch einen Sehtest an. Welche besonderen Gefahren von Pedelecs für den Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer ausgehen, beleuchtet Polizist Manfred Helmes.

Geschwindigkeit wird unterschätzt

Sein Kollege Bernhard Samotta verweist auf die maximal 250 Watt starke Unterstützung beim Treten: „Die damit erreichte Geschwindigkeit von bis zu 25 km/h wird oft unterschätzt.“ Die gelte einerseits für den Radfahrer selber, der beispielsweise bei zu schneller Fahrt in Kurven wegrutschen und dadurch schlimm stürzen könne. Andererseits, seien andere Verkehrsteilnehmer, wie Autofahrer, noch nicht auf die flotten Radler eingestellt. Aus eigener Erfahrung berichtet der Polizist, wie er fast in einen Unfall verwickelt war, weil ein älterer Herr auf einem Elektrofahrrad sich plötzlich viel schneller näherte als er angenommen hatte.

Auf einem abgesperrten Bereich vor dem Rathaus bieten Weseler Fahrradhändler morgen an, Pedelecs Probe zu fahren. „Es ist ein Verkehrsmittel, dem die Zukunft gehört. Gerade in der Stadt wird es immer wichtiger“, ist sich Wesels Fahrradbeauftragter sicher.

 
 

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