Nicht am Markt vorbei produzieren

Die Landtagsabgeordnete der Grünen, Birgit Beisheim (rechts), besuchte den Bauernhof von Rütger Holsteg und dessen Tochter Nagisa.
Die Landtagsabgeordnete der Grünen, Birgit Beisheim (rechts), besuchte den Bauernhof von Rütger Holsteg und dessen Tochter Nagisa.
Foto: Funke Foto Services
Milchpreise: Grünen-Politikerin Birgit Beisheim war zu Gast bei Bauer Rütger Holsteg in Hamminkeln-Loikum

Hamminkeln..  Letztlich gebe es nur eine Stellschraube, an der man drehen könne, um das Problem in den Griff zu kriegen, ist Rütger Holsteg überzeugt. „Die Menge. Es geht nur über die Menge“, sagt der Milchbauer aus Loikum. Wie viele seiner Kollegen hat auch Holsteg unter dem derzeitig extrem niedrigen Milchpreis zu leiden. „Wir bekommen nur noch 18 Cent pro Liter“, sagt er. „Das geht nicht.“ Am Dienstag hatten Holsteg und seine Tochter Nagisa die Gelegenheit, ihre Probleme einmal ganz direkt einer Politikerin zu schildern. Die Landstagsabgeordnete der Grünen, Birgit Beisheim, war auf dem Hof an der Straße Römerrast zu Gast, um sich zu informieren.

„Im Moment ist es wirklich nicht gerade lustig“, berichtete Rütger Holsteg der Duisburger Politikerin zu Beginn eines gemeinsamen Hofrundgangs. Um kostendeckend arbeiten zu können, sei ein Milchpreis von 35 bis 40 Cent pro Liter nötig. Derzeit lebe die Familie von Eigenkapital und Rücklagen. „Aber es herrscht ein absolutes Ausgabeverbot.“

Teure Investition

Besonders ärgerlich für den Bauern: Erst im vergangenen Jahr investierte er 210 000 Euro in die Anschaffung eines neuen, modernen Melkroboters. „Als wir anfingen, über die Umstellung nachzudenken, lag der Milchpreis bei 37 Cent, die Aussichten waren gut“, erinnert Rütger Holsteg sich. Mittlerweile habe sich die Lage drastisch verändert. Über seine Investition ist der Landwirt dennoch froh. „Die Kühe sind viel ausgeglichener geworden, seit wir sie nicht mehr regelmäßig zum Melkstand treiben müssen, sondern sie eigenständig hineingehen können.“ Und auch für Tochter Nagisa habe sich die Arbeit dank der neuen Technik verbessert, da sie nicht mehr so körperlich hart sei wie zuvor.

Damit es der Familie und den weiteren Milchbauern der Region auch finanziell demnächst wieder besser gehe, sei eine „marktangepasste Milchproduktion“ unabdingbar, ist Rütger Holsteg überzeugt. Es dürfe nicht blind „am Markt vorbei“ produziert werden. Angebot und Nachfrage müssten flexibel angepasst werden. „Wenn viel da ist, geht der Preis runter. Das ist nun mal so, und es ist klar, dass der Handel das ausnutzt.“

Die Politik könne die Landwirte mit längerfristig geltenden Rahmenbedingungen unterstützen, lautete Birgit Beisheims Fazit nach dem Besuch auf dem Loikumer Hof. „Wenn sich die Vorgaben nicht dauernd wieder ändern und die Landwirte sich immer wieder neu einstellen müssen, würde ihnen das ihre Arbeit sicher erleichtern.“ Da sei ein „weiterer Horizont“ der Politik gefragt.

 
 

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