„Nachwuchs mobil machen“

Erwin Kohl

Wesel.  Wenn man als Fahrradbeauftragter der Stadt Wesel ganz beruhigt am 25-jährigen Jubiläum der ADFC-Ortsgruppe teilnehmen kann und dort insgesamt für hervorragende Planungsarbeit gelobt wird, hat man wohl einen guten Job gemacht. Dementsprechend positiv beurteilt Michael Blaess die Situation in der Stadt: „Radfahrer sind in Wesel längst eine feste Größe. Ihr Anteil am Individualverkehr beträgt 28 Prozent, das ist ein enorm hoher Wert.“ Und dass Wesels Bürger keine Schönwetterradler sind, zeige sich daran, dass selbst im Winter bei 22 Prozent aller Fahrten gestrampelt wird. „Das ist ein guter Beitrag für unser Klima, ein positiver Aspekt für die eigene Gesundheit und entlastet die Innenstadt“, nennt Blaess die wichtigsten Vorteile.

Etwas höher könnte der Anteil noch bei den Kindern sein. Mit Aufklärungsmaßnahmen, Verkehrsunterricht und speziellen Kinderstadtplänen will man den Nachwuchs mobil machen und hat gleichzeitig einen anderen Aspekt im Blick. „Wir möchten das Elterntaxi vor den Schulen weiter zurückdrängen, dafür wird den Kindern frühzeitig der Schulweg erklärt“, so Blaess.

Die Verwaltung geht übrigens mit gutem Beispiel voran. Zwei Pedelecs werden von den Rathausmitarbeitern bereits heute intensiv genutzt, zwei weitere sollen bald hinzukommen. Was den Ausbau des Wegenetzes betrifft, steht die Anbindung des Radweges an den Lippemündungsbogen kurz vor der Fertigstellung. „Radfahrer können dann von Emmelsum bis zur Rheinbrücke fahren.“

Von den Mitgliedern der ADFC-Ortsgruppe Wesel gab es allerdings auch kritische Anmerkungen. So fordert der Verein etwa die Abschaffung der restlichen Zweirichtungsradwege. Davon gibt es nicht mehr viele in Wesel. Im Stadtgebiet ist die Esplanade noch damit ausgestattet. Planungen zum Umbau gab es bereits“, sagt Blaess. Warum der bislang noch nicht erfolgt ist, erklärt Bürgermeisterin Ulrike Westkamp: „Wir haben in der nächsten Zeit eine Reihe von Baustellen in unmittelbarer Nähe, das wäre zu viel auf einmal geworden.“ Ein weiterer Kritikpunkt der Radfahrlobbyisten betrifft die Abschaffung der Radwegebenutzungspflicht. „Ein Problem ist, dass das Miteinander der Verkehrsteilnehmer noch fehlt. Autofahrer haben die Straße lange Zeit für sich alleine gehabt, sie jetzt mit Radfahrern zu teilen, braucht Verständnis“, so Blaess.