„Man erfährt viel über das Leben“

Sich spielend weiterbilden. Die ehrenamtlichen Helfer Edith Bittner, Klaus Ueberbach, Pfarrer Jürgen Schweitzer und Pfarrer Stefan Schulz (v.l.) während eines Seminars.  Rechts im Bild: Krankenschwester Cornelia Steiner.
Sich spielend weiterbilden. Die ehrenamtlichen Helfer Edith Bittner, Klaus Ueberbach, Pfarrer Jürgen Schweitzer und Pfarrer Stefan Schulz (v.l.) während eines Seminars. Rechts im Bild: Krankenschwester Cornelia Steiner.
Foto: WAZ FotoPool
Die evangelische Kirche weiß, was sie an ihren ehrenamtlichen Mitarbeitern hat. In Seminaren wurden ihnen Hilfen für den wichtigen Besuchsdienst gegeben

Wesel.  Das Ehrenamt ist für die evangelische Kirche von großer Bedeutung. Ehrenamtliche besuchen die Mitglieder der Gemeinde, halten Kontakt, kümmern sich. Die Kirche gibt ihnen dabei Hilfestellung. „Lust und Frust im Ehrenamt?“ lautete der Titel des jährlichen Besuchsdiensttages, den der Kirchenkreis am Samstag in der Kirche und dem Gemeindezentrum am Lauerhaas durchführte. 25 Ehrenamtliche nahmen daran teil.

Ein großer Reichtum

„Es frustriert, wenn man mit seinen Aufgaben allein gelassen wird oder keine Wertschätzung erfährt“, sagte Jürgen Schweitzer, Landespfarrer für den Besuchsdienst der evangelischen Kirche im Rheinland. Eine Gemeinde könne nicht ohne Ehrenamtliche funktionieren. „Die vielen Ehrenamtlichen mit ihren vielfältigen Begabungen sind ein großer Reichtum unserer Kirche und müssen gefördert werden.“

Die Teilnehmer durften aus drei Seminaren wählen. Bei Cornelia Steiner ging es um das Thema „Das Letzte regeln – Umgang mit Menschen, die dem Sterben nahe sind“. In ihrem Seminar lernten die Teilnehmer, sterbenden Menschen Raum zu geben und mit ihren eigenen Gefühlen umzugehen. Jeweils zwei Teilnehmer erhielten einen Text mit Wünschen Sterbender und diskutierten darüber. Offen berichteten sie über ihre Erfahrungen.

Verlangen nach Sicherheit

„Die meisten Teilnehmer wünschen sich, mehr Sicherheit im Umgang mit sterbenden Menschen zu gewinnen“, sagte Cornelia Steiner, die Krankenschwester ist und im häuslichen Hospiz-Dienst des Diakonischen Werkes in Neuss arbeitet. Sie ermutigte die Gruppe, sich auf die Situation einzulassen: „Sprechen Sie über Ihre Gefühle. Fühlt es sich falsch an, das Gespräch mit der Frage ‚Wie geht es Ihnen‘ zu eröffnen, dann sagen Sie stattdessen: ‚Ich merke, wie es mir schwer fällt, dieses Zimmer zu betreten‘“.

Klaus Ueberbach aus Mehrhoog hat sich dafür entschieden, Besuchsdienste durchzuführen, weil er anderen Menschen dadurch helfen kann. Der Rentner ist dabei mit schweren Schicksalen konfrontiert. Seit zweieinhalb Jahren besucht er Patienten auf der chirurgischen Station des Evangelischen Krankenhauses. „Ich möchte die Menschen aus dem Krankenhausalltag rausholen“, sagte er. Einen Vormittag in der Woche führt er Gespräche mit Patienten. „Ich möchte den Menschen zeigen, dass sie nicht alleine sind. Viele sagen mir nach unserem Gespräch, dass es gut getan hat, sich mal alles von der Seele zu reden.“ Seine Besuche machten ihm bewusst, „wie schnell man selbst auf Hilfe angewiesen sein kann.“

Zugang zu Älteren

Die Hamminkelnerin Edith Wittern besucht ältere Gemeindemitglieder zu ihrem Geburtstag. „Ab dem 80. Geburtstag gehen wir zu den Menschen, überbringen ihnen die Glückwünsche der Gemeinde und laden zum Kaffeetrinken ein“, berichtete sie. In Hamminkeln organisiert eine Besuchsdienst-Gruppe vierteljährlich ein Kaffee-Treffen für die Jubilare. „Das ist immer sehr schön. Wir backen Kuchen und bewirten die Jubilare. Und wer selbst nicht mehr mobil ist, wird von uns abgeholt.“ Sie ist seit etwas über einem Jahr dabei. „Ich habe einen Zugang zu älteren Menschen und mir macht es Spaß, mit ihnen zu sprechen. Man erfährt viel über das Leben.“

 
 

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