Mahnwache und Bürgerinitiative

Melanie Koppel
Anwohner der linksrheinischen Dörfer beklagen Schäden durch den absinkenden Boden.
Anwohner der linksrheinischen Dörfer beklagen Schäden durch den absinkenden Boden.
Foto: WAZ FotoPool
Betroffene aus den linksrheinischen Ortsteilen machen mobil. Da sie allein gegen die Risse in ihren Häusern nichts ausrichten können, wollen sie für eine Entschädigung durch Bergsenkungen kämpfen.

Wesel.  Absinkender Boden und daraus resultierende Risse an Häusern, mit diesen Problemen haben die Menschen in Büderich, Ginderich, Perrich und Werrich zu kämpfen. Auch Teile von Rheinberg, Alpen und Xanten sind betroffen. Grund dafür, so ist man sich im Rheinbogen sicher, ist der Salzabbau, den die Firma Solvay hier über Jahrzehnte betrieb. Cavity, jenes Unternehmen, das von der Solvay für die Regelung solcher Schäden installiert wurde, bestreitet, dass die Risse vom Salzabbau kommen und weigert sich, dafür zu zahlen. Folge für die Betroffenen: kostenintensive Prozesse mit teuren Gutachten.

Im Kohlebergbau gibt es für solche Fälle eine Schiedsstelle, im Salzbergbau nicht, beklagt Wilhelm Fischer, einer von drei Betroffenen aus Ginderich und Büderich, die zur Versammlung eingeladen hatten. Das Problem dabei, so Landtagsabgeordneter Norbert Meesters: Das Bergbauunternehmen muss einer Schiedsstelle zustimmen, doch Salzbergbau sperre sich. Der einzige gangbare Weg, das wurde in der Diskussion mit rund 250 Bürgern klar, ist öffentlichen und politischen Druck auszuüben. Deshalb soll nun eine Bürgerinitiative gegründet werden. Denn wer versuche, allein gegen Cavity vorzugehen, stehe auf verlorenem Posten. Beispielhaft wurde der Fall von Werner Schweickert geschildert. Im Jahr 2000 ist er nach Perrich gezogen, zwei Jahre später fielen ihm Risse an seinem Haus auf. Es folgte ein langes Hin und Her mit Cavity, Gutachten wurden geschrieben, alle auf seine Kosten. Klage erhob er 2007, den Prozess verlor er. Nun sitzt Schweickert auf 60000 Euro Kosten und hat kein saniertes Haus. Das größte Problem: Es gebe kaum unabhängige Markscheider. Die meisten stünden dem Bergbau nah, so dass Cavity problemlos Gegengutachten beibringen könne. „Ich kam mir vor wie der kleine David vor dem riesigen Goliath. Ich hatte aber keine Steinschleuder“, beschreibt Schweickert das Gefühl von Machtlosigkeit. Hätte es eine Schlichtungsstelle gegeben, sähe seine Lage heute vielleicht anders aus. Zum einen laufen Verfahren über Schiedsstellen wesentlich schneller ab, zum anderen trägt die Stelle die Kosten selbst, auch wenn am Ende herauskommt, dass der Schaden nicht durch den Bergbau verursacht wurde. Zudem ist hier der Kontakt zu unabhängigen Schlichtern und Sachverständigen gegeben. Dr. Michael Terwiesche ist als Anwalt auf Prozesse von Bergbaugeschädigten spezialisiert. Für ihn steht fest: „Hätte Cavity nichts zu befürchten, würde Maly (Geschäftsführer von Cavity) sich nicht so vehement gegen eine Schiedsstelle wehren.“

Demnächst will man vor Solvay eine Mahnwache abhalten. „Es werden noch viele Generationen betroffen sein“, weiß Hermann Norff aus Büderich, denn die tatsächliche Bergruhe nach Salzabbau trete erst nach etwa 150 Jahren ein.