Macht die Maut die Geschäfte in Wesel mau?

Belgier und Niederländer gehören zu den Stammgästen im Welcome Hotel.
Belgier und Niederländer gehören zu den Stammgästen im Welcome Hotel.
Foto: WAZ FotoPool
Einschätzungen, ob Kunden und Gäste aus Benelux weiterhin nach Wesel kommen werden, sind unterschiedlich. Welcome Hotel hat viel Besuch aus Benelux.

Wesel..  Sie reisen gern und sie genießen einen Bummel durch deutsche Geschäfte. Viele Niederländer mögen den Niederrhein, weil er sich gut mit dem Fahrrad erkunden lässt und weil er beim Einkauf einiges zu bieten hat. Ob sie das nach Einführung der Maut in Deutschland auch noch so sehen? Die Meinung in Wesel ist geteilt. Während die einen die Befürchtung haben, die Maut könnte sich auf ihr Geschäft negativ auswirken, sehen andere nicht ganz so schwarz. So wie der Vorsitzende der Werbegemeinschaft Wesel, Philippe Tenhaeff. Er freut sich über jeden Kunden aus Benelux, wobei sie nicht nur aus der Grenzregion, sondern durchaus auch aus Groningen und Utrecht in die Hansestadt kämen. Zwei, drei pro Woche seien es im Schnitt, was schon vor langer Zeit dazu führte, dass die Zahlung per EC-Karte auch für ausländische Kunden freigeschaltet wurde. Tenhaeff glaubt nicht, dass sich die Maut negativ auswirkt. Schließlich zahle jeder auch auf dem Weg in den Urlaub, in Österreich und in Italien etwa.

Anders sieht dies Ralf Schurz. Der Direktor des Welcome Hotels am Rhein hat zwar längerfristige Verträge mit Reisebüros, die für 2016 weitgehend fixiert seien. Doch er befürchtet, dass mancher vielleicht noch nachverhandeln möchte. Eine Reduzierung der Übernachtungspreise hat Schurz ebenso wenig vor wie eine Stagnation. Schließlich wachse das Anspruchsdenken der Kunden, so dass man eine gewisse Qualität auch halten wolle.

Im Welcome Hotel sind 80/90 Prozent der Gäste zu Ferienzeiten Familien mit Kindern aus den Niederlanden und aus Belgien. Während der Krokusferien und im Sommer blieben sie fünf bis zehn Nächte. Radfahren spiele dabei eine große Rolle, im Sommer auch das Rheinbad und der Auesee. Zudem würden der Archäologische Park in Xanten und der Movie Park in Bottrop gern besucht. Auch das Oberhausener Centro sei ein beliebtes Ziel. Der Einzugsbereich seiner Gäste liege im Bereich zwischen 200 und 400 Kilometern.

Kaufhofgeschäftsführerin Astrid Vogell hat sich bislang noch nicht mit den möglichen Auswirkungen der Maut beschäftigt, genauso wie Wirtschaftsförderer Johannes Opgen-Rhein im Rathaus. Sie verweist auf eine Kundenbefragung im Oktober 2014. Innerhalb von zwei Wochen seien zehn niederländische Kunden gezählt worden. Haushaltswaren gingen gut und Damenoberbekleidung sei hier günstiger. Vogell hofft, dass die Kundenfrequenz in den Städten nicht weiter zurückgeht und setzt dabei auch auf die Holländer. Sie kommen ein- bis zweimal im Monat samstags gleich in vier, fünf Bussen zu Real und zu Lidl, wie Real-Geschäftsführer Gabor Leisten auf NRZ-Anfrage bestätigt. Ob dies demnächst nicht mehr der Fall ist, vermochte er nicht zu sagen.

Für Hamminkelns Bürgermeister Holger Schlierf ist die Maut nichts anderes als eine Mogelpackung. Zum einen sei er überzeugt, dass die Niederlande auf die deutsche Maut reagieren und ihrerseits ein Gebührenmodell einführen.

Zum anderen sei der bürokratische Aufwand so riesig, dass er die Millionen, die das Projekt einbringen solle, womöglich wieder komplett auffresse.

EURE FAVORITEN

Weitere interessante Artikel