Lobbyisten aller Weseler Radfahrer

Erwin Kohl
Wolfgang Neuhaus (stehend) leitete die Versammlung in Vertretung von Renate Müller.
Wolfgang Neuhaus (stehend) leitete die Versammlung in Vertretung von Renate Müller.
Foto: FUNKE Foto Services
Vor 25 Jahren gründete sich die ADFC-Ortsgruppe Wesel mit dem Ziel, Wesel fahrradfreundlicher zu machen.Noch ist die Arbeit nicht getan, es gibt weitere Vorschläge für mehr Sicherheit und Komfort.

Wesel.  Flaches Land, grüne Wiesen und Auen, dazu jede Menge Sehenswertes: Keine Frage, der Niederrhein ist eine Radfahrregion. Allein in der Stadt Wesel werden im Durchschnitt 58 000 Fahrten pro Tag mit dem Fahrrad zurückgelegt. Das kommt auch dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) zugute, der allein im Kreisverband 1050 Mitglieder zählt. 160 davon gehören der Ortsgruppe Wesel an und die feierte nun im Kolpinghaus am Nordglacis ihr 25-jähriges Bestehen. Dass in der Hansestadt mittlerweile mehr als jeder vierte Verkehrsteilnehmer radelnd unterwegs ist, liegt auch am Engagement der ADFC-Ortsgruppe. „Der ADFC hat sich von Anfang an um eine Verbesserung der Radfahrsituation in der Stadt gekümmert. Die Stadt Wesel hat immer einen engen Kontakt zur Ortsgruppe und deren Sprecher gepflegt, um den Radverkehr weiter zu entwickeln“, erklärte Bürgermeisterin Ulrike Westkamp. Dadurch haben sich nach Ansicht der Verwaltungschefin im Laufe der Zeit die besten Ideen durchsetzen können, was letztendlich dazu geführt habe, dass Wesel sich Fahrrad- und Fußgängerfreundliche Stadt nennen darf. Als Gastgeschenk überreichte sie Wolfgang Neuhaus, der die verhinderte Ortsgruppenleiterin Renate Müller vertrat, ein Radtourenbuch aus dem Leader-Programm. Neuhaus erinnerte an die Anfänge der Ortsgruppe Wesel, die aus der lockeren Fotogruppe „Blende 90“ entstanden ist. „Die Ortsgruppe Wesel war damals eine Keimzelle im Kreis“, ergänzte Gründungsmitglied Ulf Wetzel.

Von Beginn an dabei war auch Dr. Günter Stehr. Weil der Weseler zu diesem Zeitpunkt bereits seit drei Jahren Mitglied des ADFC-Kreisverbandes war, ist er das Dienstälteste Mitglied der Weseler Radfahrfreunde. „Ich bin damals eingetreten, weil ich mich darüber geärgert habe, dass Deutschland eine Autofahrer-Nation ist. Mit meinen Mitgliedsbeiträgen wollte ich dafür sorgen, dass sich etwas ändert“, erzählte Stehr, der bis zu 10 000 Kilometer im Jahr auf dem Fahrrad zurücklegt. 56 Euro beträgt dieser Mitgliedsbeitrag im Jahr, Pannenversicherung inklusive. „Für 19 Euro zusätzlich gibt es die Pannenhilfe jetzt für die ganze Familie“, betont Wolfgang Neuhaus.

Nach 25 Jahren sieht sich der ADFC mit seiner Lobbyarbeit aber noch längst nicht am Ende. So fordert Neuhaus die Abschaffung der Zweirichtungsradwege, eine weitere Entschärfung von Geh- und Radwegkanten sowie die Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht. Letzteres führt dazu, dass Radfahrer und Fußgänger sich den Gehweg teilen müssen, was nicht immer ganz unproblematisch ist. „Ein Schwerpunkt unserer Arbeit wird daher sein, das Verständnis der Verkehrsteilnehmer untereinander zu verbessern“, so Neuhaus. Wo die Schwachpunkte bei der Realisierung weiterer Verbesserungen liegen, erklärte Dirk Kortenbusch: „Die Verkehrsplanung in Wesel ist hervorragend, aber sie wird nicht umgesetzt, weil sie allzu oft von Lokalpolitikern abgeändert wird.“ Um Abhilfe zu schaffen, wünschte sich Kortenbusch mehr Kompetenzen für den Fahrradbeauftragten der Stadt, Michael Blaess.