Landwirt Florenz beackert Europa

Karl-Heinz Florenz (Dritter von rechts) mit Klaus Frede, Heinz Breuer und Herbert aus dem Spring von der Seniorenunion, Bernhard und Ansgar van Clewe sowie Tim Rathner  von der Jungen Union (von links) bei einer Besichtigung des Textilbetriebes.
Karl-Heinz Florenz (Dritter von rechts) mit Klaus Frede, Heinz Breuer und Herbert aus dem Spring von der Seniorenunion, Bernhard und Ansgar van Clewe sowie Tim Rathner von der Jungen Union (von links) bei einer Besichtigung des Textilbetriebes.
Foto: WAZ FotoPool
Die Politiker laufen sich warm - für die Kommunalwahlen und auch für die Europawahl. Letzteres ist ein besonders schwieriges Thema. Für viele weit weg und mit lauter Negativem besetzt. Aber Karl-Heinz Florenz ist ein alter Kämpe des Europa-Parlaments. Das bewies er bei van Clewe in Dingden.

Hamminkeln.  Bürokratie, unsinnige Auflagen, undurchsichtige Strukturen, Probleme mit neuen Mitgliedern, Riesenopfer für Griechenland - häufige Antworten zum Thema Europa. Die europakritische AfD punktet vor den Europawahlen. Höchste Zeit für Karl-Heinz Florenz, hiesiger Europa-Abgeordneter der CDU, mal wieder vor Ort zu sein, in Dingden mit den Textilern Bernhard und Ansgar van Clewe, mit Junger Union und Seniorenunion über Sorgen und Nöte zu reden.

Der 66-jährige Neukirchen-Vluyner, seit 25 Jahren in Brüssel, plaudert aus dem Nähkästchen - ebenso umfangreich wie locker. Wäre die Europapolitik doch nur immer so „zum Anfassen“ mögen seine gestrigen Gesprächspartner gedacht haben - neben den Firmen-Chefs Heinz Breuer, Klaus Frede und Herbert aus dem Spring für die CDU-Senioren sowie Tim Rathner von der Jungen Union. Florenz erzählt vom Friseur-Verband, der eine EU-einheitliche Vorschrift für das Schuhwerk der Mitarbeiterinnen in den Salons gefordert habe, weil diese auf ihren High Heels reihenweise umknickten. Ihnen wie auch den van Clewes, die über abweichende DIN-Normen bei schwer entflammbarer Textilware in Frankreich klagen, sagt er, dass sie die Dinge mit ihren Verbänden selbst regeln müssten.

Textiler zu wenig präsent

Ebenso wie die Landwirte leisten die Textiler schlechte Aufklärungsarbeit, findet Florenz. Wenn in Brüssel abends beim guten Tropfen wichtige Dinge festgezurrt würden, seien die deutschen Textil-Lobbyisten bis zum anderen Morgen in der Heimat. Selbst große Unternehmen wie Mercedes stiegen statt auf der mehr Erfolg versprechenderen mittleren Ebene immer gleich ganz oben ein und stießen dann rasch auf Barrieren aus nationalem Stolz.

Van Clewe war Vorreiter bei der CO2-Reduzierung. Prima, sagt der Gast. „Sie müssen erklären, welche guten Dinge sie machen.“ Um dann einzuräumen, dass Europa Positives schlecht verkaufe. Seine wöchentlich per Facebook verbreitete „gute Tat“ reicht da kaum aus.

Kein Monster

Eine solide Wirtschaftsunion entwickeln, die Einhaltung von Inflationskriterien durchsetzen, kritische Fragen zu Fehlern beim Euro besser beantworten - konkreter wird Florenz bei seinen Forderungen nicht. Europa sei „gar nicht so weit weg wie viele denken“. Es sei kein Monster, man müsse es nur „praktisch anpacken“. Ein hoher Wert: Die Gemeinschaft bedeute Frieden.

Florenz warnt vor der größer werdenden Schere zwischen Arm und Reich, sieht für Problemgruppen die Notwendigkeit, sie in Arbeit zu bringen („Die dürfen nicht zu Hause sitzen und grübeln“) und appelliert, den vielen Ängsten mit einem stärkeren Glauben an uns selbst zu begegnen.

„Wenn was anbrennt, anrufen“, rät der Landwirt den van Clewes. „Dann kann ich für Sie den Acker in Ordnung bringen.“

 
 

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