Kraft und Konzentration

Peter zieht Gestrüpp aus dem Wald - Nicola Basten lenkt ihn mit Stimme und Zügel.
Peter zieht Gestrüpp aus dem Wald - Nicola Basten lenkt ihn mit Stimme und Zügel.
Foto: WAZ FotoPool

Wesel..  Peter und Sepp verdienen sich ihr Futter - derzeit leisten die beiden Rückepferde ihren Beitrag zur Aufwertung des Waldes: Echte Schweißarbeit im Aaper Busch.

„Gegenseitiges Vertrauen ist die Voraussetzung“, erläutert Georg Stevens aus Alpen die Arbeit mit den muskulösen Tieren. Sie müssen Kommandos gehorchen und wissen, dass nichts Gefährliches oder Unmögliches von ihnen verlangt wird. Der Auftrag: Gefällte Kiefern aus dem Wald ziehen, außerdem die unerwünschte Traubenkirsche gleich mit entsorgen. Der 50-Jährige und seine Frau Nicola Basten (44) arbeiten hart. Das ist ihre Vorstellung von Urlaub: Stevens ist Kfz-Meister, Basten arbeitet als PTA in einer Apotheke. Bislang beschränkt sich die Arbeit mit den Pferden aufs Wochenende - und auf den Urlaub. „Das ist Entschleunigung pur“, sagt Nicola Basten. Und doch harte Arbeit für Mensch und Tier.

Eindrucksvolle Teamarbeit

Rückepferde sind als Waldarbeiter schonender als schwere Maschinen. Dennoch: „Es wird viel darüber geredet. Eingesetzt werden sie selten“, weiß Basten. „Pferde gelten als unwirtschaftlich.“ Das sieht sie anders: „Wer Pferde einsetzt, benötigt weniger Rückegassen.“ Gemeint sind die Arbeitswege im Wald, für die Pferde reichen gewöhnliche Forstwege, schwere Maschinen benötigen breitere und zahlreichere Schneisen.

Immer wieder bleiben Spaziergänger stehen und schauen dem Mensch-Tier-Gespann bei der konzentrierten Arbeit zu: Die Kommunikation ist eindrucksvoll. Peter ist der Erfahrene im Team: ein süddeutsches Kaltblut, zwölf Jahre alt, rund 800 Kilo schwer, ein Kraftpaket. Youngster Sepp ist ein sechsjähriger Tiroler Noriker, ebenso schwer wie sein Kollege. Zwei Jahre dauert die Ausbildung eines solchen Pferds. Das Duo bringt Bewegung in den Wald: Drei bis vier Festmeter pro Stunde schafft jedes Tier klaglos (siehe Box).

Gestern um 9.30 Uhr war Arbeitsbeginn - um 13 Uhr kauen die Tiere zufrieden ihr Kraftfutter, Georg Stevens hat Decken über die verschwitzten Pferderücken gelegt. Eine Stunde fressen, dösen, schmusen... Zärtlich besabbert Sepp die Weste seines Herrn. War nicht bös gemeint...

Sind die Kaltblüter müde, lässt die Konzentration nach. Das wäre gefährlich für Mensch und Tier. Erst um 14 Uhr geht’s weiter. Ist ein Stamm zu schwer, signalisieren die Pferde das. Kein Problem für Nicola Basten. „Wir lassen den Stamm liegen und ziehen ihn später zweispännig.“ Gemeinsam bewegen diese Pferde beinahe alles.

Unter einer Voraussetzung: „Wir sprechen viel mit den Tieren. Es darf nie Unruhe oder Stress entstehen, es gibt keinen Zwang“, erläutert Georg Stevens. So entsteht Vertrauen.

 
 

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