Kölner Teller, Berliner Kissen - Weseler Ärger

Viel Verkehr herrscht im Kreisverkehr Grünstraße/Nordstraße. Auch Laster sind hier unterwegs. Wenn sie die Teller überfahren,  wird es in den anliegenden Häusern laut.
Viel Verkehr herrscht im Kreisverkehr Grünstraße/Nordstraße. Auch Laster sind hier unterwegs. Wenn sie die Teller überfahren, wird es in den anliegenden Häusern laut.
Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool
Am Kreisverkehr Nord-/Grünstraße ging es Donnerstagabend rund, nicht nur für die Autos, sondern auch in Gesprächen am Rande. Anlieger möchten sich nicht weiter mit dem Krach abfinden, den das Überfahren der Teller verursacht. Unterstützung erhielten sie dabei von SPD und CDU.

Wesel.  Der Kreisverkehr Nordstraße/Grünstraße ist offenbar einzigartig im negativen Sinne. So sehen es jedenfalls die unmittelbaren Anlieger und bekommen dabei Unterstützung von den beiden Ratsmitgliedern Jürgen Lantermann (CDU) und Helmut Trittmacher (SPD). Kölner Teller, Berliner Kissen, eine Riesenhecke, die den Blick auf die andere Seite versperrt, Lkw-Fahrer, die lautstark mitten über die Metallteller brettern - die Anwohner machten ihrem Unmut am Donnerstagabend Luft. Seit Jahren schon kämpfen sie für eine zufriedenstellende Lösung am Kreisel - ohne Erfolg.

Aufpflasterung in der Mitte

An ihrer Seite sind seit langem Trittmacher und Lantermann, doch auch sie haben bislang nichts erreicht, ja manchmal - wie sie berichten - noch nicht einmal eine Antwort auf ihre Schreiben von den Behörden erhalten. Jetzt wollen die beiden erneut gemeinsame Sache machen und die Anliegen der Anlieger kundtun. Jürgen Lantermann, von Beruf Polizist, kann nicht verstehen, dass der bestehende Zustand am Kreisel der richtige sein soll. Er möchte wie sein SPD-Kollege, dass die Teller in der Mitte des Kreisverkehrs verschwinden und stattdessen eine Erhöhung in Form einer leichten Aufpflasterung an der jetzigen Markierung stattfindet. Das würde die Lärmbelästigung eindämmen.

Marian Gesicki, der direkt am Kreisel in einer Doppelhaushälfte wohnt, beklagt, ab 5 Uhr morgens nicht mehr schlafen zu können. Dann sind nämlich die Laster unterwegs, die über die Teller fahren. „Die Kissen sind gut, aber die Teller müssen weg“, ist die am meisten vertretene Meinung, wenngleich Gesicki auch das Überfahren der Kissen wahrnimmt. Heide Fenzl, die ein ganzes Stück entfernt wohnt, wird ebenfalls in ihrer Nachtruhe gestört. Und das, obwohl sie eigentlich einen festen Schlaf habe.

„Das machen wir nun schon seit sechs Jahren mit“, sagt Paul Beenen. „Da rappeln die Gläser im Schrank.“ Helmut Trittmacher weiß gar, dass der Schriftverkehr mit den Behörden schon seit 2005 läuft. Und Jürgen Lantermann sagt: „So einen Kreisverkehr gibt es nicht noch mal in Deutschland.“ Christa Weihofen stimmt ihm zu. Sie verweist auf die vielen Kreisverkehre in Holland. So etwas wie hier hat sie dort noch nie gesehen.

„40 Leute wehren sich“, sagt Lantermann. „Da kann es doch nicht sein, dass sich nichts ändern lässt. Wir müssen was für die Bürger tun.“ Er schlägt vor, die Berliner Kissen nicht nur an den Ein-, sondern auch an den Ausfahrten anzubringen, um das Tempo rauszunehmen. Und damit die Situation für die Radfahrer entschärft wird, plädiert er für klare Hinweise auf der Fahrbahn. Schließlich handelt es sich bei dem Kreisverkehr Nordstraße/Grünstraße nicht nur um den umstrittensten Kreisel in der Kreisstadt, sondern auch um den einzigen Unfallhäufungspunkt in ganz Wesel.

 
 

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