Kinderarmut in Wesel bekämpfen

Ute Kraft (links) und Rebecca Kurbach an der Kindergarten-Garderobe: Kinder brauchen viele Dinge. Foto:Pottgiesser
Ute Kraft (links) und Rebecca Kurbach an der Kindergarten-Garderobe: Kinder brauchen viele Dinge. Foto:Pottgiesser
Foto: FUNKE Foto Services
  • Ein neues Schuljahr bedeutet neues Material – viele Familien können sich das nicht leisten
  • Wintersachen, der Schulausflug – wer nicht mithalten kann, wird schnell zum Außenseiter
  • Klartext für Kinder hilft unbürokratisch, wo die Not am größten ist. Spenden sind willkommen

Wesel.  Am 24. August fängt die Schule wieder an. Vielen Familien in Wesel graut davor: Sie haben die Liste der Schulen erhalten, Material, das sie für ihre Kinder kaufen sollen. Markenware – nicht irgendein Malkasten oder Taschenrechner. Manches Kind wird nicht mit der geforderten Ausrüstung erscheinen. Das Projekt „Klartext für Kinder“, eine Zusammenarbeit von NRZ und Caritas, kämpft gegen Kinderarmut – unbürokratische Hilfe auf dem kurzen Dienstweg.

Rebecca Kurbach, Erzieherin der Caritas und im familienstützenden Dienst aktiv, kennt diese Situationen ebenso wie Ute Kraft, Leiterin der Villa Konfetti. Die Frauen sehen Kinderarmut täglich. „Ein guter Taschenrechner für eine 13-Jährige ist nicht unter 50 Euro zu haben“, sagt Kraft. Dazu kommen Zirkel, Geo-Dreieck... die Liste ist lang. Ob ein Kind diese Gegenstände hat oder nicht, das kann über seine Bildungschancen entscheiden. „Man wird zum Außenseiter, gehört nicht dazu“, sagt Guido Busch, Fachbereichsleiter der Caritas und selbst Vater. „Meine Erfahrung ist, dass in jedem Schuljahr auf der weiterführenden Schule 200 bis 250 Euro für Material fällig sind.“

Klartext für Kinder will die Bildungschancen und die Gesundheit mittelloser Kinder fördern: Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten, Wohlfahrtsverbände oder Fachberatungen, die eine spontane Unterstützung für ein Kind benötigen, können sich bei der Caritas melden und Hilfe beantragen. Klartext ist ein Hilfsfonds, der für akute Fälle bis zu 50 Euro fördert. Klassenfahrten sind ein heikles Thema. Und Kinder in der Wachstumsphase, die ständig neue Kleidung benötigen. Und Sport: „Es ist gut, wenn Kinder für den Vereinsbeitrag Zuschüsse nach dem Bildungs- und Teilhabegesetz bekommen“, sagt Ute Kraft. „Aber wissen Sie, was Schuhe, Stulpen, Handschuhe, was eine Ausrüstung fürs Fußballspielen kostet?“ Für viele ist das nicht drin.

Ein Hilfsfonds kann nur helfen, wenn Geld auf dem Konto ist. Bis Juni herrschte dort Ebbe. 2500 Euro hat die NRZ-Versteigerung eines original-gezeichneten und handsignierten Selbstporträts des Comic-Künstlers Tobi Dahmen gebracht. Caritas und NRZ nehmen das zum Anlass, auf Kinderarmut aufmerksam zu machen. „Sie hat sich verfestigt“, sagt Guido Busch. In der Vergangenheit gab es Spenden von Geburtstagen, eine Erbschaft, Sammlungen in Büros und auf Weihnachtsfeiern: Jede Summe ist willkommen und hilft. Luxus wird aus diesem Fonds nicht finanziert. Rebecca Kurbach beispielsweise besucht Familien zuhause. Dann fällt auf, dass ein Kind keine Wintersachen hat. Sie beantragt beispielsweise Geld für eine warme Jacke, Caritas und NRZ prüfen und genehmigen den Antrag. Häufig geht sie mit den Eltern einkaufen. Bei Klartext geht es darum, bittere Not zu lindern, damit Kinder eine Chance haben. Wer mehr wissen – oder helfen – will, sollte Kontakt aufnehmen: Mit Ute Kraft, Leiterin der Villa Confetti, 0281/ 475 77 94 12, E-Mail villaconfetti@caritas-wesel.de. Oder mit dem Caritasverband Dinslaken und Wesel, 02064/4493-0.

 
 

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