Kiesfirma Hülskens kündigt bis zu 70 Entlassungen an

Die Auskiesung Pettenkaul sollte erweitert werden - aus Ausgleich für nicht zustande gekommende Abgrabungen auf der Bislicher Insel. Daraus wird indes nichts.
Die Auskiesung Pettenkaul sollte erweitert werden - aus Ausgleich für nicht zustande gekommende Abgrabungen auf der Bislicher Insel. Daraus wird indes nichts.
Foto: WAZ FotoPool
Das Weseler Traditionsunternehmen Hülskens hat angekündigt, bis zu 70 Mitarbeiter betriebsbedingt zu entlassen. Zudem solle mit zahlreichen weiteren Einsparmaßnahmen „auf den Mangel an ausgewiesenen Kiesabbauflächen am Niederrhein“ reagiert werden. Betriebsrat und Politik sind überrascht.

Wesel..  Hülskens, als Traditionsunternehmen ein Begriff in Wesel und darüber hinaus, hat angekündigt, bis zu 70 Mitarbeiter betriebsbedingt zu entlassen. Zudem solle mit zahlreichen weiteren Einsparmaßnahmen „auf den Mangel an ausgewiesenen Kiesabbauflächen am Niederrhein“ reagiert werden. Sowohl der Betriebsrat als auch Weseler Politiker zeigen sich betroffen und überrascht.

Während einer Betriebsversammlung am vergangenen Freitag waren die Mitarbeiter über den Schritt informiert worden. In Zusammenarbeit mit der Arbeitnehmervertretung sollen die beabsichtigten Maßnahmen nun „möglichst sozialverträglich“ angegangen werden. Rund 250 Mitarbeiter zählt die Firma. Es waren schon mal 300. Von 55 definitiven Kündigungen und 15 vorzeitigen Ruhestandslösungen ist nun konkret die Rede. Eine solche einschneidende Maßnahme hat es bei Hülskens noch nicht gegeben.

Gewisse Bitterkeit

Aus einer Pressemitteilung der Geschäftsführung spricht eine gewisse Bitterkeit. „Politik und Planungsbehörden haben sich entschlossen, den Kiesabbau am Niederrhein deutlich einzuschränken“, heißt es da. „Darüber hinaus sind klassische Kiesabbaugebiete wie die rheinnahen Bereiche in jüngerer Zeit zu so genannten Tabugebieten erklärt worden, auf denen keine Kiessandgewinnung stattfinden darf. Es sei indes „nicht notwendig, diesen gesunden und für die Region wichtigen Industriezwei durch eine restriktive Ausweisung von entsprechenden Abbaugebieten zu vernichten.“ Man solle sich gut überlegen, ein traditionsreiches Unternehmen, mit „ganzen Generationen von Mitarbeitern, das zwei Kriege überlebt hat“, zu opfern, sagt Geschäftsführer Jörg Hüting.

„Man hätte auch über Kurzarbeit nachdenken können“, reagierte Betriebsratsvorsitzender Hans-Josef Hickl „sehr verwundert“ über eine „sehr kurzfristige Maßnahme“, die er in 38 Betriebsjahren noch nicht erlebt habe. Neben dem eigentlichen Kiesbetrieb, sind auch Abraumbetrieb und Werkstätten betroffen. Bestimmte Signale habe es gegeben, sagen Mitarbeiter: Die Arbeit mit Vorlandbaggern sei eingestellt, Arbeiter seien neu verteilt worden.

„Für Hülskens ist das eine Massenentlassung“, sagt Thomas Keuer, Sekretär der zuständigen Gewerkschaft Verdi. Auch er hätte die aktuelle Entwicklung nicht für möglich gehalten und sich „andere, überbrückende Regelungen gewünscht“. Dass eine „feste Bank“ wie Hülskens, ein Weseler Aushängeschild, nun so reagiere, lasse „nichts Gutes erahnen“. Solche Befürchtungen kursieren auch unter den Mitarbeitern: Wenn Auskiesungen auslaufen, wie 2016/17 in Ginderich, wo 25 bis 30 Leute tätig sind, und keine neuen folgen, könnten weitere Entlassungen anstehen.

Politiker teils überrascht

Jörg Hüting kritisiert zwar die rigide Flächenpolitik durch Bezirksregierung und RVR, die sich zu sehr an einzelnen „Wutbürgern“ orientiere, warnt aber davor, „das Kind mit dem Bade auszuschütten“. Synergien bei Projekten in Verbindung mit dem Hochwasserschutz, bei der Rheinsohlen-Erosion oder ökologischer Ufergestaltung könnten für zukünftige bessere Perspektiven sorgen. Der SPD-Landtagsabgeordnete Norbert Meesters, zugleich stellvertretender Weseler Fraktionsvorsitzender seiner Partei, sieht Möglichkeiten für „gesellschaftlich nachhaltige Projekte“ bei der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie. Hülskens habe dafür beste Voraussetzungen, „die wir nutzen sollten“. Seine „engen Gespräche“ mit dem Unternehmen werde er fortsetzen.

Jürgen Linz, Vorsitzender der CDU im Rat der Stadt, teilt Hütings Aussage, wonach die Politik vor Ort dem Unternehmen „immer sehr geholfen“ habe. Er habe „nicht gedacht, dass es jetzt schon zu solch massiven Einschnitten kommt“. Man müsse nun versuchen, „über Meesters auf die Schaltstellen in Düsseldorf einzuwirken“.

Von einem „Alarmzeichen“ für die landesweite Industriepolitik spricht FDP-Fraktionschef Friedrich Eifert. Keiner könne überrascht sein. „Wir tun in Sachen Wirtschaftsförderung zu wenig.“ Man müsse mehr und rechtzeitig auf Strukturveränderungen achten. Wie kürzlich auch die CDU, hält er Bürgermeisterin Ulrike Westkamp vor, ihre fehle „die Affinität zur Wirtschaft“.

 

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