Kaum Wind, aber gute Kasse

Foto: Markus Joosten
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Hamminkeln. „Wir sind absolute Befürworter erneuerbarer Energien“, stellen Dieter J. Endres und Dr. Gerhard Kreutzer klar. „Vorausgesetzt, die Anlagen arbeiten wirtschaftlich“, fügen sie hinzu. Die Unternehmensberater der Ratinger Accent Consult GmbH haben untersucht, ob das Vorhaben, in Marienthal Windkraftanlagen zu errichten, Sinn macht. Ihr Resultat: Nur im Hinblick auf das Kassieren von Subventionen. Viel zu wenig und zu schwacher Wind, ein erheblicher Eingriff in die Landschaft und die besondere Atmosphäre des Ortes, wirtschaftliche Nachteile bei minimalen Gewerbesteuer-Einnahmen sprächen gegen das Ansinnen.

Meike Kullmann und Birgit Wiesehahn-Haas hatten Unterschriften gesammelt und Plakate aufgestellt. Nun unterstützten die von ihnen beauftragten Berater, sonst für eigentümergeführte mittelständische Unternehmen, vor allem Automobil­­zulieferer, und auch für Stadtwerke aktiv, ihre Argumente.

Im gesamten niederrheinischen Tiefland, so sagen die Accent-Leute unter Bezug auf das Landesumweltamt und den Deutschen Wetterdienst, sei die mittlere Windgeschwindigkeit im Jahresmittel zu gering, um Windkraftanlagen mit einer Leistung von 2500 kW wirtschaftlich zu betreiben. Die ausgewiesenen fünf bis sechs Meter pro Sekunde entsprächen nach Beaufort Windstärke vier - eine „mäßige Brise“, die gerade mal dünne Äste bewege. Für das Erreichen der Nennleistung der Anlage erforderlich seien sieben bis neun - steifer bis stürmischer Wind. Der weht hier unter 50 Stunden im Jahr. Das Manko lasse sich auch durch noch mehr Höhe als die inklusive Rotor 185 Meter nicht ausgleichen. Da müsste Marienthal schon deutlicher als maximal 40 Meter über dem Meeresspiegel liegen.

Warum gibt es dennoch Investoren? Weil sie Gutachter-Prognosen folgen, die den Ertrag um durchschnittlich 40 Prozent zu hoch ansetzen, und weil sie sich „daran reich rechnen“, sagt Endres. Er habe ja nichts gegen eine Förderung, aber sie müsse an der Wirtschaftlichkeit gemessen werden. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz aber gehe „in Richtung ewige Rente“. Die ausgeklügelsten Konstruktionen und Dienstleistungen zum Geldverdienen mit der Windkraft gebe es. Daneben verdiene vielleicht noch der Bauer für die verkauften Flächen. Beteiligt sei auch der Steuerzahler - als Geldgeber. Dringend bedürfe es angesichts des herrschenden Wildwuchses eines Konzeptes.

Aufräumen müsse man auch mit dem „Märchen“ von der Gewerbesteuer. Die fließe nicht, wenn kein Gewinn nachgewiesen werde. Stattdessen würden Marienthal und Hamminkeln insgesamt verlieren: an Attraktivität, an Tourismus wie an Neuansiedlungen, an Kaufkraft wie an Arbeitsplätzen.

Bis zum September, wenn sie sich mit dem Thema befasse, so die Initiatorinnen, habe die Politik Gelegenheit, sich Gedanken darüber zu machen.

 
 

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