Katja Harmelings Team entschärft im Berliner Tor Sprengsalz

Arbeitsplatz zwischen altem Gemäuer: Hier, im Durchgang des Berliner Tores, sind die Restauratoren am Werk.
Arbeitsplatz zwischen altem Gemäuer: Hier, im Durchgang des Berliner Tores, sind die Restauratoren am Werk.
Foto: WAZ FotoPool
Salz würzt nicht nur. Salz kann auch eine enorme Sprengkraft entfalten. Thomas Lehm­kuhl weiß das: Der Restaurator betreut als Sachverständiger die Sanierung des Durchganges des Berliner Tores, die nach Abplatzungen an Wänden und Gewölbe nötig geworden ist. Schuld daran ist Natriumsalz im Zement.

Wesel.  Im durchgang des von 1718 bis 1722 erbauten Berliner Tores weisen Gerüste darauf hin, dass hier gewerkelt wird. Restauratorin Katja Harmeling aus Stadtlohn und ihre vier oder fünf Mitarbeiter sanieren die Flächen behutsam und Stück für Stück. Plastikfolien an den Torgittern schützen gegen das Wetter und die Zugluft.

Nach dem Krieg ist das Tor auf besondere Art saniert worden. Da wurde in dem Durchgang auf die Flächen dunkler Zement aufgetragen, dann eine hellere Schicht, die eine ziegelrote Oberfläche erhielt. Akribisch wurden Fugen „frei gekratzt“, so dass mit dieser Art Graffito-Technik der Effekt eines Mauerwerkes entstand. „Die Qualität der Nachkriegssanierung war handwerklich sehr gut“, sagt Lehmkuhl.

Ein schleichender Prozess

Indes: Der verwendete Zement hat es in sich. In Verbindung mit Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen „arbeiten“ die in ihm enthaltenen Salze, bis es zu den erwähnten Schäden kommt. Ein schleichender Prozess, wie Katja Harmeling sagt. Einer, dem sie und ihr Team durch konservatorische Maßnahmen begegnen, der aber nicht gänzlich zu stoppen ist. Irgendwann also wird hier wieder Hand anzulegen sein. In 40 Jahren vielleicht, schätzt Anita Timmreck, im Rathaus für die städtischen Gebäude zuständig. Alle zwei Jahre wird ihr Fachbereich eine Inspektion vornehmen.

Anfang Dezember sollen die Arbeiten zur „Sicherung von Putz und Mauerwerk im derzeitigen Zustand“ abgeschlossen sein. Die Hälfte der Kosten von 115 000 Euro trägt das Land.

Übrigens: Würde man das Berliner Tor heute bauen, könnte man dies weniger „salzhaltig“ tun.

 
 

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